matthias franke
NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

EIN VERSUCH ÜBER
DIE GEWALTTÄTIGKEIT DER SPRACHE
UND
DIE TENDENZ EINES WITZES

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

Inhalt

Vorwort

1 Bedeutung des Witzes

1.1 Methodische Probleme beim Erfassen des Gedankengehalts

1.2 Erfassen des Gedankengehalts

1.2.1 Bedeutung des Wortes "selbst"

1.2.2 Bedeutung des Wortes "radikal"

1.2.3 Bedeutung des Wortes "Feministinnen"

1.2.4 Bedeutung des Wortes "wünschen"

1.2.5 Bedeutung des Wortes "manchmal"

1.2.6 Bedeutung des Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern"

1.2.7 Bedeutung des Wortes "größer"

2 Tendenz der sprachlichen Technik

2.1 Verdichtung

2.1.1 Verdichtung als Technik des Witzes

2.1.2 Verdichtung als Technik der Sprache allgemein

2.2 Verschiebung

2.2.1 Verschiebung als Technik des Witzes

2.2.2 Verschiebung als Technik der Sprache allgemein

2.3 Kooperation von Verdichtung und Verschiebung

3 Tendenz des Witzes

3.1 Gültigkeit der Geschlechterordnung

3.2 Rechtfertigung der Geschlechterordnung aus dem Verstoß gegen die Ordnung

3.3 Verteidigung der Geschlechterordnung

Literatur




NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

Vorwort

Selbst radikale Feministinnen wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!

Dieser Witz ist auf Briefpapier zu lesen, das im Sommer 1998 von einer Tabakfirma als Werbegeschenk verteilt wurde. Gewiß kann nicht jeder über einen solchen Witz lachen. Bei der Lektüre der hier vorliegenden Arbeit, die diesen Witzes analysieren möchte, wird aber leider auch einem Leser, dem er Vergnügen bereitet, schnell das Lachen vergehen.

Bedauerlicherweise liegt dies nicht nur daran, daß die Analyse Wirkungen des Witzes zu Tage befördert, die dem, der darüber lacht, unbewußt bleiben müssen. Vielmehr ist es die umständliche Vorgehensweise, welche das Vergnügen an dem doch eigentlich so interessanten Untersuchungsgegenstand verwehrt. Es existiert wenig Sekundärliteratur, welche in diesem Zusammenhang hilfreich wäre. Diejenige Literatur, die hier aufgeführt wird, ist erst nach dem Ausführen der jeweiligen Argumentation zu deren Absicherung aufgesucht worden. Daraus resultiert die methodische Unsicherheit einer ganz neuen Denkweise, welche sich innerhalb der gesamten Arbeit zeigt:

Ein erster Schritt der Analyse des Witzes ist das Erfassen seines Gedankengehalts - wie Sigmund Freud es ausdrückt. Der manifeste Wortlaut des Witzes soll darauf untersucht werden, welche Bedeutung im zuzuschreiben ist. Im weitesten Sinne folgt dieses Feststellen einer latenten Bedeutung also einem hermeneutischen Paradigma. Auf Erkenntnisse über den Autor des Witzes kann dabei nicht zurückgegriffen werden; er ist unbekannt. Damit verschärfen sich methodische Probleme, die zu einem äußert peniblen und kleinschrittigen Vorgehen zwingen, wenn gesicherte Ergebnisse erzielt werden sollen.

Im zweiten Schritt der Analyse sollen nun die Mechanismen untersucht werden, welche den Witz seine latente Bedeutungen überhaupt hervorbringen lassen. Es offenbaren sich die Tendenzen seines Wortlautes ganz bestimmte Bedeutungen zu erhalten, die gegen andere Bedeutungen gerichtet sind. Dabei fallen jedoch auch Tendenzen der Herstellung von Bedeutung auf, die der Sprache allgemein immanent sind. Das System der Sprache wird also ebenfalls auf Strukturmerkmale untersucht, welche für die Bedeutung des Witzes relevant sind. Damit arbeitet der zweite Teil der Analyse sozusagen mit einem im weitesten Sinne strukturalistischen Paradigma.

Der dritte Teil der Analyse wird sich dann mit den Aporien auseinandersetzen, welche der latenten Bedeutung des Witzes beinhaltet. Die Struktur der Bedeutung wird mithin auf Unregelmäßigkeiten untersucht, die Konstruktion der Argumentation dekonstruiert.

In den letzten beiden Teilen wird in einem kurzen Rekurs auf Freuds Witzanalyse auf die Psyche des Erzählers des Witzes und derjenigen, die über den Witz lachen, geschlossen. Der zweite Teil könnte um Rückschlüsse auf die Tendenzen innerhalb des Unbewußten erweitert werden, die auch der Sprache allgemein immanent sind. Der dritte Teil könnte seine Rückschlüsse auf die Tendenzen des Unbewußten, die sich in dem Witz zeigen, auf deren gesellschaftliche Relevanz untersuchen. Beides kann nur angedeutet werden, soll diese Arbeit in ihrem Textumfang nicht jedes vernünftige Maß noch weiter als ohnehin schon übersteigen.

Trotz der Kleinschrittigkeit ihrer Argumentation bleibt die Analyse also unvollständig. Darum und wegen dem Ableiten einer möglicherweise unangemessenen Philosophie über Sprache, wegen der methodischen Unsicherheiten und der ungelenken Begriffsbildung bleibt die vorliegende Arbeit nur der Versuch einer Analyse.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1 Bedeutung des Witzes

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.1 Methodische Probleme beim Erfassen des Gedankengehalts

In seiner Schrift "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten" beginnt Sigmund Freud die Analyse mit dem Versuch, den Gedankengehalt des jeweiligen Witzes in seiner gesamten Bedeutung vollständig zu formulieren. [1] Offenbar treten jedoch bei diesem ersten Schritt der Analyse gewisse Probleme auf, sofern sich der Gedanke des Witzes nicht eindeutig bestimmen läßt.

Dies zeigt sich bei dem hier zu analysierenden Witz:

Selbst radikale Feministinnen wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!

Werden einzelne Begriffe oder Sinnzusammenhänge formuliert, um die Bedeutungen und den Gedankengehalt des Witzes zu erhellen, sind verschiedene Resultate denkbar.

1. - Mit dem Begriff "Feministin" werden individuell höchst unterschiedliche Bedeutungen assoziiert, die von "emanzipierte Frau" bis zu "männerfeindliche Frau" reichen.

2. - Auch die Motivation für den Wunsch der "Feministinnen" ist nicht eindeutig zu bestimmen. In einem Fall könnte man davon ausgehen, in dem Witz werde unterstellt, daß Feministinnen unter einem Mangel an sexueller Befriedigung leiden:

Selbst Feministinnen wünschen beim (heterosexuellen) Geschlechtsverkehr, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

In einem anderen wäre der Wunsch der Feministinnen als eine Konstruktion aufzufassen, welche deren Forderung einer Aufhebung gesellschaftlicher Unterschiede zwischen den Geschlechtern durch den Verweis auf biologische Unterschiede ad absurdum führen soll:

Selbst radikale Feministinnen, die doch eigentlich geschlechtsspezifische Unterschiede aufheben wollen, wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

Eine weitere Ausformulierung des Gedankengehalts könnte die Aufmerksamkeit stärker darauf lenken, daß im Witz behauptet wird, die unzulängliche Männlichkeit oder Manneskraft verursache und ermögliche die feministische Profession überhaupt:

Bezeichnenderweise wünschen selbst radikale Feministinnen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

Das intuitive Erfassen des Gedankengehaltes würde also gleich mehrere verschiedene Formulierungen des Witzes zulassen. Keine davon wäre grundsätzlich falsch, doch die einzelne könnte jeweils nur einen Teil des Spektrums an Bedeutungen wiedergeben, zu dem sich der Gedankengehalt auffächern läßt. In der Folge müßte sich wohl auch die Interpretation nur auf den betreffenden Teil des Gedankengehalts konzentrieren. So läuft die Analyse des Witzes schon zu Anfang Gefahr, eine Interpretation des Gedankengehalts vorwegzunehmen. Für die Analyse der sprachlichen Techniken, denen sich der Witz bedient, mag dies zunächst von geringerer Bedeutung sein. Sollen jedoch die Tendenzen des Witzes untersucht werden, bedingt die Auffassung des Gedankengehalts die Art des Ergebnisses. Auf die Frage, wer oder was durch das Erzählen des Witzes angegriffen oder lächerlich gemacht werde, erhält man dann möglicherweise eine zu einseitige Antwort. In der Folge ließe sich auch die Motivation für das Erzählen des Witzes nicht mehr hinreichend differenziert betrachten.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2 Erfassen des Gedankengehalts

Zumindest im hier vorliegendem Fall scheint es also sinnvoll, bei dem Formulieren des Gedankengehalts des Witzes in kleineren Schritten vorzugehen, als es die methodischen Vorgaben Freuds verlangen. Dementsprechend sollte darauf geachtet werden, den Wortlaut so zu paraphrasieren, daß sich später keine Bedeutungsebene der Untersuchung entzieht. Doch erscheint der Gedankengehalt des Witzes schon bei oberflächlicher Betrachtung so paradox, daß es gewisse Gefahren mit sich bringen muß, eben genau jene paradoxe Bedeutung mit Hilfe ontologisch begründeter Annahmen zu erfassen, denen selbst nicht diese Paradoxien der Sprache immanent sein könnten. Die Paraphrase würde in der Folge nicht mehr die paradoxe Bedeutung des zu analysierenden Witzes wiedergeben. Rudolf Carnap verwirft für die Metasprache eine ontologisch begründete Wahl von Paraphrasen: "Nach meiner Ansicht ist jedoch die Wahl einer gewissen Sprachstruktur und im besonderen der Entschluß, gewisse Variablentypen zu benutzen, eine praktische Entscheidung, wie die Wahl eines Instruments; sie hängt hauptsächlich von den Zwecken ab, für die das Instrument - hier die Sprache - gebraucht werden soll, und von den Eigenschaften des Instruments." [2]

Für die Analyse sollen hier zwei wirksame Strukturen der Sprache beachtet werden, aufgrund derer beim Paraphrasieren eine Entscheidung für bestimmte Variablen der Bedeutung getroffen werden kann. Jedes sprachliche Zeichen gehört nach Roman Jakobson diesen zwei verschiedenen Systemanordnungen an [3] :

Selektion (Auswahl, Entscheidung). Eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten setzt voraus, daß die eine Möglichkeit für eine andere, welche der ersten in einer Hinsicht gleichwertig und in einer anderen Hinsicht ungleichwertig ist, eingesetzt werden kann. Selektion und Substitution sind zwei Erscheinungsformen derselben Operation.

Kombination. Jedes Zeichen kommt nur in Kombination mit anderen Zeichen vor und ist aus konstituierenden Zeichen zusammengesetzt. Das heißt, daß jede sprachliche Einheit zugleich als Kontext für einfachere Einheiten dient und ihren eigenen Kontext in einer komplexeren sprachlichen Einheit findet. Somit vereinigt also jede Gruppe von linguistischen Einheiten diese Einheit zu einer höheren Einheit: Kombination und Kontextbildung sind zwei Erscheinungsformen derselben Operation.

Um die beiden Systemarten, die Roman Jakobson Kombination und Selektion nennt, gegeneinander abzugrenzen, behauptet Ferdinand de Saussure, daß ein System "in praesentia ist; es beruht darauf, daß zwei oder mehr Teile in einer gesprochenen Reihe gemeinsam auftreten", während das andere System "Teile in absentia als Glieder potentieller Gedächtnisreihen miteinander in Verbindung bringt". [4] Jakobson folgert daraus: "die Bestandteile eines Kontextes stehen miteinander im Kontiguitätsverhältnis, während bei dem Substitutionsverhältnis die Zeichen durch verschiedene Grade der Gleichartigkeit, die sich zwischen der Gleichwertigkeit der Synonyme und dem gemeinsamen Wesenskern der Antonyme bewegen, miteinander in Beziehung stehen." [5] Das heißt also, daß die Selektion (und dementsprechend die Substitution) mit Größen zu tun hat, die im Kode, im System der Sprache, aber nicht in einer gegebenen Mitteilung miteinander in Verbindung stehen, während im Falle der Kombination die einzelnen Größen entweder im System der Sprache und in der Mitteilung oder nur in der Mitteilung miteinander in Verbindung treten. Um keine denkbare Bedeutungsebene unberücksichtigt zu lassen und den Gedankengehalt des Witzes vollständig zu formulieren, müßte also in einer Metasprache mit Wendungen und Begriffen gearbeitet werden, deren Bedeutungen alle denkbaren Bedeutungen des Wortlauts des Witzes gemäß der Substitution einschließen oder deren Bedeutungen durch die Kombination erst im Kontext relevant sind.

Doch die Bedeutungen solcher Begriffe und Wendungen sind immer andere als diejenigen, die sie mit einschließen. Zwar suggeriert Freuds Begriff "Gedankengehalt", sofern er das Gesamtspektrum möglicher Bedeutungen meint, es handele sich um einen feststehenden Gehalt an Bedeutung, die mit einer sprachlichen Äußerung transportiert wird, doch jede Bedeutung muß der Äußerung erst zugeschrieben werden. Es ist also unmöglich, den Gedankengehalt, also alle Bedeutungen einer sprachlichen Äußerung tatsächlich vollständig und umfassend wiederzugeben. Es ist lediglich möglich, eine bestimmte Bedeutung zu umschreiben, also den Gedankengehalt in einer einzelnen ganz bestimmten Ausprägung. Zur Erfassung des Gedankengehalts soll daher jeweils die Bedeutung gewählt werden, welche über alle weiteren denkbaren Bedeutungen hinaus geht oder als einzige im Kontext relevant ist. Sie wird den Gedankengehalt zwar nicht vollständig wiedergeben, jedoch denjenigen Teil, der sein Äußerstes markiert. Dazu wird es nötig sein, in einigen Fällen die weitestreichende Bedeutungen recht allgemein und unpräzise zu umschreiben, in anderen wird die weitestreichende Bedeutung allzu konkret erscheinen. Doch nur so ist eine Ausformulierung von Gedankengehalt möglich, die seine äußerste Ausprägung kennzeichnet und dadurch auch der weiteren Untersuchung des Witzes den weitesten Raum läßt.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.1 Bedeutung des Wortes "selbst"

Das Wort "selbst" wird mitunter im Sinne von "eigenhändig" und "persönlich" gebraucht. Die Stellung im Satz zeigt jedoch an, daß hier die Bedeutung von "auch" und "sogar" gemeint ist. Dies verdeutlicht eine Konnotation mit der Bedeutung von "überdies". Soll jedoch eine Behauptung überdies auch für radikale Feministinnen stimmen, wird damit gleichzeitig vorgegeben, sie treffe zunächst auf einen weiteren Personenkreis zu. Daß die Behauptung des Witzes auf radikale Feministinnen passe, ist durch das Wort "selbst" in seiner Bedeutung "sogar" als etwas Besonderes gekennzeichnet. Daß die Behauptung auf einen weiteren Personenkreis zutreffe, ist nicht als Besonderheit oder Attraktion gekennzeichnet. Dies gilt wohl eher als so etwas wie der Normalfall zur Besonderheit, welcher ohnehin gegeben ist. Die Behauptung des Witzes über radikale Feministinnen soll demnach ohnehin auf einen weiteren Personenkreis zutreffen und überdies auch noch auf die radikalen Feministinnen.

Dieser weitere Personenkreis ist im Witz nicht benannt. Gerade dadurch, daß dieser nicht explizit erwähnt wird, suggeriert der Wortlaut des Witzes, er müsse zum Verständnis erst gar nicht erwähnt werden und es sei mithin selbstverständlich, welcher weitere Personenkreis gemeint ist. Soll ein einigermaßen gesichertes Ergebnis erzielt werden, ist es ungleich mühsamer zu ermitteln, welcher Personenkreis gemeint ist, als die Behauptung der Selbstverständlichkeit glauben macht.

Es liegt die Vermutung nahe, daß dieser durch eine Modifikation der Bedeutung "radikale Feministinnen" zu erschließen ist. Die relativ zu "radikale Feministinnen" nächste weitergefaßte Bedeutung würde "Feministinnen allgemein" meinen. So bleibt zu vermuten, daß der weitere Personenkreis, auf den die Behauptung des Witzes zuzutreffen vorgibt, "Feministinnen allgemein" umfaßt.

Allerdings ist es auch denkbar, daß der weitere Personenkreis durch freiere Assoziation mit der Vorstellung " radikale Feministinnen" verbunden wird. Eine solche assoziative Verknüpfung ist zwischen Bedeutungen möglich, denen zumindest eine gemeinsame oder eine gegenteilige Eigenschaft zugeschrieben wird. Die zweite Möglichkeit der Assoziation entfällt in diesem Fall wegen der Konnotation "überdies" zu der Grundbedeutung "selbst", beziehungsweise "auch" und "sogar". Die Behauptung des Witzes bezieht sich nicht auf eine gegenteilige Vorstellung zu der Bedeutung "radikale Feministinnen", sondern auf einen relativ zu "radikale Feministinnen" weiteren, größeren Personenkreis. Die einzige weitere Bestimmung der radikal feministischen Personen durch diesen Begriff ist aber deren Kennzeichnung als ausschließlich weiblich. Es können also alle Vorstellungen von exklusiv weiblichen Personenkreisen assoziiert werden. Demnach muß nun davon ausgegangen werden, daß der Wortlaut des Witzes impliziert, seine Behauptung treffe zunächst auf alle Frauen zu.

Die Bedeutung "Feministinnen allgemein" umschreibt sozusagen den größten gemeinsamen Nenner von Eigenschaften der "radikalen Feministinnen", die auch einem relativ dazu weiteren Personenkreis zugeschrieben werden könnten. Die Bedeutung "alle Frauen" entspricht einem kleinsten gemeinsamen Nenner von Eigenschaften, die jeder mit der Bedeutung "radikale Feministinnen" assoziierten Vorstellung eines weiteren Personenkreises zuzuschreiben ist. Die Bedeutung "Feministinnen" umfaßt also nur einen Teil der Vorstellungen, die Bedeutung "alle Frauen" dagegen alle verschiedenen denkbaren Vorstellung, die der Wortlaut des Witzes hervorrufen kann. Man könnte annehmen, um keine denkbare Vorstellung unberücksichtigt zu lassen und den Gedankengehalt des Witzes vollständig zu formulieren, müsse demzufolge einfach nur mit der Bedeutung "alle Frauen" gearbeitet werden. Doch die Bedeutung "alle Frauen" ist eine gänzlich andere als etwa "Feministinnen allgemein", auch wenn sie diese einschließt; die verschiedenen denkbaren Vorstellungen sind gleichzeitig in der Bedeutung "alle Frauen" nicht mehr gegenwärtig. So bleibt der Fall unberücksichtigt, in dem der Wortlaut des Witzes eben nicht in seiner am weitestreichenden Bedeutung "alle Frauen" aufgefaßt wird. Spätestens hier zeigt sich also, daß es tatsächlich unmöglich ist, den Gedankengehalt, also alle Bedeutungen einer sprachlichen Äußerung vollständig und umfassend wiederzugeben. Diejenige Bedeutung, die alle denkbaren anderen Bedeutungen einschließt, benennt diese nicht mehr. Vielmehr geht sie über alle weiteren denkbaren Bedeutungen hinaus. Zur Erfassung des Gedankengehalts soll nun genau diese weitreichendste Bedeutung "alle Frauen" gewählt werden. Sie wird den Gedankengehalt zwar nicht vollständig wiedergeben, jedoch denjenigen Teil, der sein Äußerstes markiert.

Unter anderem besagt also der Witz, die Frau im Allgemeinen wünsche einen größeren Unterschied zwischen den Geschlechtern. Unter Berücksichtigung sämtlicher Bedeutungen des Wortes "selbst" innerhalb des Kontextes dieses Witzes ist die weitestreichende Bedeutung seines Gedankengehalts zunächst etwa wie folgt zu formulieren:

Sogar radikale Feministinnen wünschen manchmal - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.2 Bedeutung des Wortes "radikal"

Das Wort "radikal" wird mit folgenden Bedeutungen benutzt:

"dogmatisch, orthodox, doktrinär, apodiktisch"

"kompromißlos" im Sinne von "erbarmungslos, unerbittlich"

"grundlegend, fundamental"

"maßlos" im Sinne von "übersteigert, übertrieben"

"uneingeschränkt"

"im höchsten Maße"

"gründlich" im Sinne von "umfassend"

"ganz, völlig, komplett, lückenlos, vollkommen" im Sinne von "vollständig"

"extremistisch" im Sinne von "aufrührerisch"

Es spricht nichts dagegen, daß im Witz ausnahmslos alle verschiedenen Bedeutungen die Eigenschaften der Feministinnen umschreiben. Jede einzelne dieser Bedeutungen kann mit dem Wort "radikal" assoziiert werden. Wieder könnte versucht werden, jede der Bedeutungen des Wortlauts zu nennen, um den Gedankengehalt des Witzes vollständig zu erfassen. Doch schließen hier einige Bedeutungen andere schon mit ein. Dies trifft gerade auf diejenigen zu, die spezifischer und konkreter sind, mithin eine Wertung enthalten.

zu 1. - Eine apodiktische Geisteshaltung, die also nicht einmal Widerspruch duldet, wird erst recht keine Kompromisse erlauben. Eine kompromißlose Geisteshaltung muß wiederum per se schon fundamental sein.

zu 2. - Wird etwas als maßlos und übertrieben bezeichnet, so sind dessen Einschränkungen bereits aufgehoben und es kann als uneingeschränkt gelten. Etwas maßloses und übertriebenes läßt sich außerdem nicht mehr an einem höchsten Maße messen; mit der Uneingeschränktheit ist auch die Einschränkung des höchsten Maßes schon überschritten. Erfüllt etwas im höchsten Maße einen Tatbestand, wird dies per se in umfassender Weise der Fall sein. Alles was umfassend ist wird nun wiederum auch in sich vollständig sein.

Für die Wiedergabe des Gedankengehalts ist es demnach zum Beispiel überflüssig, neben der Bedeutung "maßlos, übertrieben" auch die Bedeutung "vollkommen, vollständig" aufzuführen, da die Eigenschaft der Übertreibung über die der Vollständigkeit hinausgeht. Gleichzeitig ist die Eigenschaft der Vollständigkeit bei Übertreibung schon gar nicht mehr gegeben. Es zeigt sich also wieder, daß in eben jenen Bedeutungen, die andere mit einschließen, diese nicht mehr gegenwärtig sind. Wird bei der Erfassung des Gedankengehalts neben der Bedeutung "vollständig" auch die Bedeutung "übertrieben" erwähnt, bleibt der Fall unberücksichtigt, in dem der Wortlaut des Witzes nicht in der am weitesten reichenden Bedeutung "vollständig und auch noch übertrieben" aufgefaßt wird, sondern eben nur in seiner Bedeutung "vollständig". Diejenige Bedeutung, die eine andere mit einschließt, benennt und meint die andere Bedeutung nicht mehr, selbst wenn sie diese im Wortlaut noch erwähnt. Folgt man also dem Substitutionsverhältnissen im semantischen System der Sprache, finden sich weitestreichende Bedeutungen, die der zu paraphrasierenden Bedeutung semantisch fern sind. Diese schließen eben jene Bedeutungen mit ein, die eine größere semantische Nähe zu der Bedeutung besitzen, die paraphrasiert werden soll. Dadurch, daß sie spezifischer sind und eine Wertung enthalten, stehen die weiterreichenden Bedeutungen im Widerspruch zu denjenigen, die sie mit einschließen und die in der Folge nicht mehr gegenwärtig sein können. Dieses Problem der Widersprüchlichkeit, das sich durch die Substitution, semantisch naher durch semantisch fernere, weiterreichende Bedeutungen einstellt, ist bekannt, wird aber oft verdrängt: "Semantische Nähe und Ferne sind grob danach bestimmbar, ob sich ein Oberbegriff leicht und einleuchtend einstellt. (...) Das ist besonders in Nomenklaturen der Fall, weshalb denn absolut zwingende Beispiele für eine contradictio listigerweise aus Nomenklaturen gewählt werden." [6]

Es bestätigt sich also ein zweites Mal die These, daß sich das Erfassen von Gedankengehalt auf jeweils nur eine seiner Ausprägungen beziehen kann. Für den vorliegenden Versuch einer Analyse des Witzes wird wieder die weitreichendste Bedeutung gewählt. Dazu muß hier mit denjenigen Bedeutungen des Wortes "radikal" gearbeitet werden, die von keiner anderen mit eingeschlossen werden, also mit "keinen Widerspruch duldend", "übertrieben" und "aufrührerisch". Unter Berücksichtigung der schon gewonnenen Erkenntnisse ist die weitreichendste Bedeutung des Gedankengehalts nun wie folgt zu formulieren:

Sogar übertreibende, aufrührerische Feministinnen, die keinen Widerspruch dulden, wünschen manchmal - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.3 Bedeutung des Wortes "Feministinnen"

Das Wort "Feministin" meint eine Vertreterin des Feminismus, der eine Veränderung von Normen der patriarchalischen Gesellschaft anstrebt, also von Normen einer bevorzugten Stellung von Männern. Die Form, in der die Veränderung von Normen der Bevorzugung von Männern angestrebt wird, macht hier den Unterschied zwischen den einzelnen Bedeutungen aus, die mit "Feministin" assoziiert werden können.

1. - Eine Frauenrechtlerin und Suffragette setzt sich für Gleichberechtigung ein. Gemeint ist also eine Frau, die für die gesellschaftliche und damit auch politische Gleichstellung von Frauen eintritt.

Dagegen bezeichnet die Bedeutung "Amazone" im Sinne von "Frauenkämpferin" eine Frauenrechtlerin, die das bloße Eintreten für Veränderungen zu einem Kampf ausweitet. Außerdem beschränken sich deren Forderungen nicht unbedingt auf Gleichberechtigung, sondern reichen mitunter bis zum Wunsch nach dem Matriarchat, der Herrschaft von Frauen.

2. - Wird mit dem Wort "Feministin" die Bedeutung "emanzipierte Frau" assoziiert, bezeichnet dies eine Frau, die sich bereits aus einer Abhängigkeit gelöst hat, unabhängig und selbständig ist.

Die abwertende Konnotation der Bedeutung "Emanze" für eine emanzipierte, bereits selbständige Frau besagt, daß die Selbständigkeit und die Forderung verwerflich sei, die Bevorzugung von Männern zu ändern.

Die Bedeutung "emanzipierte Frau" schließt die des Wortes "Emanze" mit ein. Ebenso sind in der Gruppe der "Frauenrechtlerinnen", auch diejenigen mit inbegriffen, die für ein Matriarchat kämpfen. Entsprechend der bisherigen Vorgehensweise lautet die weitere Ausformulierung von Gedankengehalt also wie folgt:

Sogar übertreibende und aufrührerische emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten und keinen Widerspruch dulden, wünschen manchmal - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

Hierbei zeigt sich, daß die Vorgehensweise, jeweils diejenigen assoziierten Bedeutungen aufzusuchen, welche andere mit einschließen oder im Kontext relevant sind, in genau die entgegengesetzte Richtung wirkt wie etwa bei "radikal". Dessen weitestreichende Bedeutung "übertrieben, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" ist zwar recht spezifisch aber weniger umfassend in dem Sinne, daß sie nur wenige der möglichen Bedeutungen beinhaltet. Dem Wort "Feministin" bleibt dagegen die weitestreichende Bedeutung "emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten" zuzuschreiben und nicht etwa eine spezifischere, aber weniger umfassende Bedeutung wie etwa "Frauen, die für das Matriarchat kämpfen", welche ebenfalls assoziiert werden könnte. Wenn also Bedeutungen andere einschließen oder als einzige relevant sind, werden sie - insofern sie wie "radikal" eine Eigenschaft bezeichnen - spezifischer, weniger umfassend und sozusagen enger sein. Benennen Bedeutungen nicht direkt eine Eigenschaft, werden sie dabei offenbar wie "Feministin" weniger spezifisch, mehr umfassend und sozusagen weiter sein.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.4 Bedeutung des Wortes "wünschen"

Das Wort "wünschen" bedeutet "mögen, erhoffen, erträumen, ersehnen, gelüsten, wollen, begehren". Doch es ist auch eine Konnotation denkbar, welche die weitergehende Bedeutung mit einschließen, der Wunsch werde auch vorgebracht, wie bei den Bedeutungen "bitten" und "fordern, verlangen". Diese Konnotation ist bei der Bedeutung "fordern, verlangen" am stärksten ausgeprägt, der Wunsch wird vehementer vorgebracht. Wer devot bittet, rechnet damit, daß es möglich ist, dem Wunsch auch nicht zu entsprechen. Dagegen schließt "fordern, verlangen" die Bedeutung mit ein, es handele sich um einen legitimen, gerechtfertigten Wunsch, dem entsprochen werden müsse. Mithin geht "verlangen" über die Bedeutungen "bitten" - bezüglich des hier relevanten Aspekts eines Vorbringens des Wunsches - hinaus.

Allerdings ist es auch denkbar, mit "wünschen" die Bedeutung "erwarten" zu assoziieren. Diese besagt auch noch, daß von der Erfüllung des vorgetragenen, gerechtfertigten Wunsches ausgegangen werde.

Dementsprechend ist der weitestreichende Gedankengehalt, die weitestreichende Bedeutung des Witzes weiter zu formulieren:

Sogar übertreibende und aufrührerische emanzipierte Frauen, die für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten und keinen Widerspruch dulden, verlangen und erwarten manchmal - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.5 Bedeutung des Wortes "manchmal"

Das Wort "manchmal" wird mit den folgenden Bedeutungen gebraucht: mitunter, gelegentlich, bisweilen, zuweilen, einigemal, in Abständen, mit Unterbrechungen, nicht immer, von Zeit zu Zeit, hin und wieder, dann und wann, ab und zu.

Die Unterschiede zwischen den Bedeutungen sind jedoch so geringfügig, daß sie für die überindividuelle Sprache nicht mehr festzustellen sind. Es handelt sich um Synonyme. Damit ist hier erstmals der Fall gegeben, daß die denkbaren Bedeutungen eines Wortes sich nicht zu einem Spektrum auffächern lassen.

Eine genauere Bestimmung der Bedeutung "manchmal" wird aber nach einer Betrachtung des Kontextes möglich und nötig. Der Wortlaut des Witzes besagt nicht, warum und zu welchem Anlaß die Frauenrechtlerinnen ihren Wunsch verspüren. Der Anlaß wird dadurch, daß er nur "manchmal" gegeben ist, als exklusiv, besonders oder zumindest nicht allzu alltäglich gekennzeichnet. Die Assoziation wird mithin auf eine besondere Situation gelenkt, in welcher der Unterschied zwischen den Geschlechtern relevant ist. Es wird sich später zeigen, daß mit der Größe des Unterschieds zwischen den Geschlechtern auch die des Penis gemeint ist. Diese sollte wohl besonders bezüglich des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs relevant sein. In seiner knappen Bedeutung würde "manchmal" hier also "beim Denken an heterosexuellen Geschlechtsverkehr" meinen, die weitestreichende Bedeutung würde auch dessen Vollzug mit einschließen. Der Gedankengehalt des Witzes ist demnach vorläufig wie folgt zu umschreiben:

Sogar übertreibende und aufrührerische emanzipierte Frauen, die für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten und keinen Widerspruch dulden, verlangen und erwarten beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.6 Bedeutung des Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern"

Das Wort "Unterschied" hat zwei Bedeutungen. Einerseits meint es "Verschiedenheit, Ungleichheit" im Sinne der unterschiedlich starken Ausprägung einer Eigenschaft, andererseits "Differenz, Kontrast, Gegensatz" im Sinne der Ausprägung mehrerer jeweils unterschiedlicher Eigenschaften bei den verglichenen Gegenständen. Obwohl beide Bedeutungen im Sprachgebrauch oft nicht unterschieden werden, gibt es keine, welche beide einschließt. Genauer bestimmt sind die Bedeutungen jedenfalls nur durch das, was der Wortlaut des Witzes eben als ungleich oder gegensätzlich bezeichnet.

Das Wort "Geschlecht" wird mit den Bedeutungen "Art, Gattung", "Generation", "Genus", "Sexus" und "Geschlechtsteil" verwendet. Der Kontext läßt hier nur die Bedeutung "Mann und Frau" sowie "Geschlechtsteil" zu. In Kombination mit den beiden Bedeutungen von "Unterschied" verweist auf mehrere mögliche Bedeutungen des gesamten Ausdrucks:

1. - Es besteht Ungleichheit von Mann und Frau im Sinne einer unterschiedlich starken Ausprägung derselben Eigenschaft. Die gemeinsame Eigenschaft von Mann und Frau wäre dabei, Mensch zu sein. Diese ungleiche Ausprägung des Menschseins meint eine gerechtfertigte oder ungerechtfertigte "Ungleichheit der gesellschaftlichen Stellung von Mann und Frau", also die "gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen".

2. - Der Gegensatz im Sinne verschiedener Eigenschaften von Mann und Frau, ist eben das unterschiedliche biologische Geschlecht. Als weitestreichende Bedeutung von "biologisches Geschlecht" wird lediglich "männliches Geschlechtsteil vorhanden oder nicht vorhanden" assoziiert. Die verschiedene Eigenschaft, den Gegensatz macht also der "Penis" aus.

Das Wort Geschlecht ist in seiner Bedeutung "Geschlechtsteil" etwas weniger gebräuchlich. Da außerdem schon eine der Bedeutungen des Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern" mit "Penis" erfaßt ist, kann darauf verzichtet werden, auch die beiden weiteren, theoretisch möglichen Bedeutungen auf die Bedeutung "Penis" zurückzuführen:

3. - Der Gegensatz im Sinne verschiedener Eigenschaften männlicher und weiblicher Geschlechtsteile.

4. - Die Ungleichheit im Sinne einer unterschiedlich starken Ausprägung der selben Eigenschaft männlicher und weiblicher Geschlechtsteile.

Die Bedeutung des gesamten Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern" geht jedoch über die der Summe seiner beiden verschiedenen einzelnen Bedeutungen hinaus. Die Tatsache, daß die beiden so unterschiedlichen Bedeutungen in nur einem Ausdruck zusammengefaßt sind, läßt vermuten, daß beide als zusammengehörig verstanden werden müssen. Die Bedeutungen "Penis", "gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen" sollten also nicht nur mit "und" nebengeordnet, sondern mit " und damit" als zusammengehörig verknüpft werden. Auf diese Weise umfaßt die Gesamtbedeutung - weiterreichend als bei einem Nebeneinander der einzelnen Bedeutungen - deren gegenseitige Bedingtheit. Eine entsprechende Formulierung des Gedankengehalts des Witzes lautet:

Sogar übertreibende und aufrührerische emanzipierte Frauen, die für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten und keinen Widerspruch dulden, verlangen und erwarten beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen größer ist.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

1.2.7 Bedeutung des Wortes "größer"

Für das Wort "größer" existieren eine Reihe verschiedener Bedeutungen::

geräumiger, gewaltiger, höher, länger

gigantischer, riesiger, hühnenhafter, hochgewachsener

erheblicher, immenser, enormer, bedeutender

ausgefallener, außergewöhnlicher

grandioser, brillanter

beachtlicher, auffallender, eindrucksvoller

bekannter, populärer, prominenter, angesehener

erwachsener, mündiger

All diese Bedeutungen sind entweder im Kontext nicht zutreffend oder durch die Bedeutung "größer" mit eingeschlossen, so daß die Bedeutung "größer" die weitestreichende ist. Der Wortlaut "größer" des Ausgangsmaterials bleibt also erhalten.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2 Tendenz der sprachlichen Technik

Bei der Untersuchung der Tendenzen der Technik des Witzes werden nur zwei verschiedene sprachliche Techniken mit ihren gegenläufigen Tendenzen zu beachten sein. Dies hat seinen Grund darin, daß nur diese beiden aus den für das Paraphrasieren vorausgesetzten Strukturmerkmalen der Sprache hervorgehen. Das Strukturmerkmal der Substitution, welchem im Nachvollziehen des Einschließens von Bedeutungen durch weitestgehende Bedeutungen gefolgt wurde, bringt tendenziell Verdichtungen hervor. Das Strukturmerkmal der Kombination, welchem durch das Aufsuchen von im Kontext relevanten assoziierten Bedeutungen gefolgt wurde, bringt in der Tendenz Verschiebungen hervor. Beide Tendenzen können wiederum auf nur eine Tendenz zurückgeführt werden, manifest eine verschobene und verdichtete Bedeutung hervorzubringen, welche eine Zensur umgeht, die auf die latente Bedeutung dieser verschobenen und verdichteten Bedeutung ausgeübt wird.

Dadurch, daß das Erfassen des Gedankengehalts, das Paraphrasieren der Bedeutung des Witzes methodisch abgesichert worden ist, rückt auch die weitere Vorgehensweise, von derjenigen Freuds ab. Freud stellte nicht nur sprachliche Techniken fest, die verdichten und verschieben, sondern eine Vielzahl von Techniken, welche er in einem zweiten Schritt auf eine Tendenz zum Ersparen psychischen Aufwandes und in einem dritten auf eine Tendenz zur Überwindung einer Zensur, eines psychischen Hemmnisses zurückführt. Dabei hat die Feststellung vieler verschiedener sprachlicher Techniken des Witzes bei Freud nicht seine Ursache im Nachvollziehen der Bedeutung des Gedankengehalts des Witzes gemäß bestimmter Strukturen der Sprache, sondern ist durch die Untersuchung eines anderen Gegenstands geprägt. "Freuds Vorgehen (...) ist durchaus janusköpfig: Einerseits verweist es (...) auf das vorletzte Kapitel VI ´Die Beziehung des Witzes zum Traum und zum Unbewußten`, indem es seine Deskription und Klassifikation der Witztechniken von vornherein an entsprechenden Kategorien der ´Traumdeutung` (und an sie einschließend der ´Psychopathologie des Alltagslebens`), wie Verdichtung, Verschiebung, indirekte Darstellung etc., orientiert, ohne freilich zunächst mehr als eine bloße Analogie der Witztechnik mit der Traumarbeit behaupten zu wollen." [7] Doch Hendrik Birus stellt auch fest, Freud selbst verweise auf einen naheliegenden Einwand: "daß wir die Techniken des Witzes nicht als Verdichtung, Verschiebung usw. beschrieben hätten und nicht zu so weitgehenden Übereinstimmungen in den Darstellungsmitteln von Witz und Traum gelangt wären, wenn nicht die vorherige Kenntnis der Traumarbeit unsere Auffassung für die Witztechnik bestochen hätte, so daß wir im Grunde am Witz nur die Erwartung bestätigt finden, mit denen wir vom Traum her an ihn herangetreten sind." [8] Das Abrücken von der Vorgehensweise Freuds bringt es also mit sich, daß diese einzige Schwachstelle seiner Argumentation bei der Analyse des vorliegenden Witzes nun in geringerem Maße wirksam ist; die Analyse orientierte sich an den genannten Strukturmerkmalen der Sprache und ist bestenfalls vom Vokabular der Traumdeutung geprägt.

Mit dem Erfassen des Gedankengehalts des Witzes ist bereits der wichtigste Schritt zur Analyse getan. Das Finden einer latenten Bedeutung des manifesten Witzes wirkt in umgekehrter Richtung zu der Witzarbeit. So wird es möglich sein, den Vorgang der Witzarbeit nun darauf zu untersuchen, welcher Techniken sich dabei bedient wurde. Der zweite Schritt der Analyse stellt also das Ausgangsmaterial dem Produkt der Witzarbeit gegenüber.

latent:

Sogar übertreibende und aufrührerische emanzipierte Frauen, die für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten und keinen Widerspruch dulden, verlangen und erwarten beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen, daß der Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen größer ist.

manifest:

Selbst radikale Feministinnen wünschen manchmal, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!

Bezeichnenderweise tritt die Tragweite der latenten Bedeutung des Witzes so unbekleidet zu Tage, daß sich in fast erschreckender Weise zeigt, wie gut es der Witzarbeit gelungen ist, diesen in einer Form zu manifestieren, welche kaum Widerspruch hervorruft oder gar Vergnügen bereitet. In der Folge soll also diese Wirkung, also die Tendenz der Witzarbeit untersucht werden. Dabei rücken auch Tendenzen einer Arbeit ins Blickfeld, welche der Sprache allgemein immanent sind, sozusagen Tendenzen der Spracharbeit.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.1 Verdichtung

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.1.1 Verdichtung als Technik des Witzes

Die augenfälligste Technik, der sich die Witzarbeit bedient, scheint die der Verdichtung zu sein.

Die Bedeutung "Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen" wird einzig durch den Ausdruck "Unterschied zwischen den Geschlechtern" hervorgerufen.

Die Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" ist im Wort "manchmal" verdichtet.

Nach Freud wird durch Verdichtung Gedankenweg zwischen Bedeutungen verkürzt. [9] Es resultiere eine Lustentwicklung am geringeren psychischen Aufwand, an der Erleichterung psychischer Arbeit. [10] Die bloße Technik erspare psychische Energie beim Nachvollziehen von Gedankengehalt. [11] Dies beinhalte selbst schon eine Tendenz gegen eine hemmende und einschränkende, disziplinierende Macht, nämlich der des kritischen Urteils der Vernunft. [12] Bei obigen Verdichtungen des hier analysierten Witzes trifft dies in unterschiedlichem Maße zu, auch wenn die Verdichtung aufgrund eines Doppelsinns und einer Anspielung zustande kommt: Der latente Gedankengehalt des Witzes scheint in frappierender Weise unvernünftig zu sein. Die genauere Untersuchung dieses Sachverhalts würde jedoch voraussetzen, den Begriff der Vernunft eindeutig zu definieren. Tatsächlich wird sich zeigen, daß die Bedeutung selbst lediglich aus dem System der Sprache selbst hervorgeht und nicht aus einer Herleitung gemäß oder gegen eine Art von Vernunft, die ihre Gesetze aus der wissenschaftlichen Betrachtung des Ontologischen herleiten würde. Derrida beschreibt diese Funktion der Bedeutung wie folgt: "Das ´primum signatum` ist Signifikat in einem bestimmten ´transzendentalen` Sinn, (...) den alle Kategorien oder alle determinierten Bedeutungen, jede Lexik und jede Syntax, also jeder sprachliche Signifikant implizieren, der mit keinem von ihnen einfach verschmilzt, über den aber durch jeden von ihnen sich ein Vorverständnis gewinnen läßt, der gegenüber allen epochalen Bestimmungen, die er erst ermöglicht, irreduzibel bleibt; der damit die Geschichte des Logos eröffnet und selber nur durch den Logos ist: das heißt, vor dem Logos und außerhalb des Logos nichts ist." [13]

Wenn es sich also vermeiden läßt, soll aber darauf verzichtet werden, die möglichst wenigen Prämissen dieser Arbeit um solche zu ergänzen, die ihre Wurzeln im Bereich des Ontologischen haben. Das vorliegende Problem der Wirkung der Verdichtung kann tatsächlich immer noch mit den Mitteln gelöst werden, welche allein aus einer Analyse der sprachlichen Struktur einer Semantik an die Hand gegeben werden. Dies entspricht sozusagen dem Geiste Freuds, der in seiner Witzanalyse, die Sphäre des Sprachwissenschaftlichen auch erst recht spät verläßt, um psychoanalystisch zu argumentieren: "In ähnlicher Weise (...) stellt Freud im Zuge seiner Behandlung der Gedankenwitze, beim Übergang von der Verschiebung zum Widersinn, die Frage: Wodurch wird also der Unsinn zum Sinn? und beantwortet auch diese hier noch keineswegs mit psychoanalytischen Kategorien (...)" [14] So braucht hier immer erst dann auf die Ontologie verwiesen werden, wenn angedeutet wird, welche Rückschlüsse die festgestellten Strukturen der Sprache auf die Strukturmerkmale der Psyche haben könnten, oder wenn eine sprachliche Konstruktion des Witzes als für das Lachen bedeutsam gekennzeichnet werden muß.

Die Annahme Freuds einer hemmenden Macht der Vernunft soll hier also durch die Arbeitshypothese ersetzt werden, es bestünden bestimmte Zensurmechanismen der Sprache, welche ein Hemmnis konstituieren. Diese Zensur wird von Bedeutungen ausgeübt, die im Sprachgebrauch sozusagen etablierter sind als jene, die im Widerspruch zu ihnen stehen. Eine solche Zensur könnte etwa durch die Aussage "Alle Menschen sind gleich!" ausgeübt werden. Das Gleichsetzen von Penis und gesellschaftlicher Ungleichheit von Männern und Frauen dürfte als Widerspruch zur Zensur im wahrsten Sinne des Wortes nicht zur Sprache kommen. Daß die Zensur weder erlaubt, dies zu äußern, noch es bewußt zu denken, mag der Grund dafür sein, daß die latente Bedeutung eben als fragwürdig oder unvernünftig empfunden wird, auch wenn das Unvernünftige der latenten Bedeutung überhaupt nicht weiter bestimmt werden kann. Die verdichtete Formulierung "Unterschied zwischen den Geschlechtern" umgeht nun diese Zensur. Die Aussagen "Alle Menschen sind gleich" und "Es besteht ein Unterschied zwischen den Geschlechtern" gehören offenbar beide zu solchen, die im Sprachgebrauch etabliert sind. Beide koexistieren, auch wenn sie nicht gerade kooperieren. Die Leistung des Witzes wäre also, durch Verdichtung eine Bedeutung in Einklang mit dem etablierten Sprachgebrauch zu bringen, Bedeutungen hervorzubringen, die zumindest etabliert erscheinen, auch wenn sie es latent nicht sind.

Gleich nach diesem Passieren der Zensur scheint sich jedoch - sozusagen im Verstehen des Witzes - wieder die Bedeutung zu entfalten, welche im Widerspruch zur Zensur steht. Eine gewisse Zeit lang kann der Eindruck entstehen, der Widerspruch zur Zensur sei - so verblüffend es auch sein mag - aufgehoben. Während dessen kann die psychische Energie, welche vormals zum Durchsetzen der Zensurbestimmung gegenüber der widersprechenden Bedeutung aufgewandt wurde, frei werden. Freud benennt dies als Freisetzen der psychischen Energie des Hemmnisses insgesamt. [15] Die Abfuhr der Energie vollzieht sich nach Freud durch das Lachen, welches ja tatsächlich nur kurzzeitig unter dem oben beschriebenen Überraschungseffekt beginnt, um sich dann mit einer Art Eigendynamik fortzusetzen. [16]

In ganz ähnlicher Weise wirkt sich die zweite für den Witz relevante Verdichtung aus. Es sind Widerstände denkbar, die das Benennen des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs verbieten. Auch hier kann die Zensur durch eine Verdichtung dieser latenten Bedeutungen umgangen werden. Die verdichtete Bedeutung "manchmal" passiert die Zensur, doch kann sich darauf - ist dies als Anspielung erkannt - diejenige Bedeutung entfalten, die der Zensur widerspricht. Durch das Aufheben des Hemmnisses kann wiederum dessen Energie frei werden.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.1.2 Verdichtung als Technik der Sprache allgemein

Außer den beiden augenfälligsten Verdichtung des Witzes gibt es noch weitere:

Die Bedeutung "sogar Feministinnen - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen" wird nur durch die Formulierung "selbst Feministinnen" vermittelt.

Die Bedeutung "verlangen und erwarten" wird im Wort "wünschen" verdichtet.

Die Bedeutung "emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten" kann durch das Wort "Feministinnen" hervorgerufen werden.

Die Bedeutung "übertreibend, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" wird im Wort "radikal" verdichtet.

Es wäre nicht schwer, jede der drei weiteren Verdichtungen auch in sprachlichen Äußerungen aufzufinden, die alles andere als witzig sind. Es bleibt also festzuhalten, daß die Verdichtung in diesem Fall nicht den Charakter der Technik des Witzes ausmacht. Vielmehr scheint es sich um eine Technik zu handeln, die der Sprache allgemein immanent ist.

Hier zeigt sich, daß der Vorbehalt gegen die Einführung des Begriffs "Vernunft" einen ersten Vorteil mit sich bringt: Da Verdichtung eine der Sprache allgemein immanente Technik ist, wäre aus einer Tendenz der Verdichtung gegen die Vernunft zu folgern, daß auch der Sprache selbst immer eine Tendenz gegen eine hemmende Macht der Vernunft immanent ist. Möglicherweise könnte unter gewissem Aufwand gezeigt werden, daß die obigen vier Verdichtungen, welche auch für andere sprachliche Äußerungen als dem Witz denkbar sind, nicht den Regeln der Vernunft entsprechen. Doch sind gerade dies Verdichtungen, die der landläufigen Auffassung von Vernunft zu entsprechen scheinen. Gemäß dieser zweiten Auffassung wäre es wiederum falsch, der Verdichtungstechnik von Sprache allgemein eine Tendenz gegen die Vernunft zuzuschreiben. Zweckdienlicher als eine solche Diskussion über eine Tendenz der Sprache gegen die Vernunft ist vielmehr, davon auszugehen, daß die obigen vier verdichteten Bedeutungen im Sprachgebrauch etablierter sind als diejenigen, die durch ihren Widerspruch zur Konvention, zur Zensur für den Witzcharakter der Äußerung verantwortlich zeichnen.

Daß im Sprachgebrauch etablierte Bedeutungen eine Zensur ausüben, die von den weniger etablierten Bedeutungen überwunden werden kann, wenn sich diese in geeigneter Weise in einem Ausdruck verdichten, ist bereits angedeutet worden. Es stellt sich die Frage, ob die Verdichtung nun die Tendenz zum Hervorbringen etablierter Bedeutungen hat oder allgemeiner von Bedeutung überhaupt. Das Problem der allgemeinen Tendenz von der Sprache immanent Verdichtungstechniken ist mit den Mitteln, die Freud zur Verfügung stellt, nicht mehr zu lösen. Damit ist es endlich an der Zeit, der Analyse Ferdinand de Saussures Elemente Signifikant und Signifikat zuzuführen, welche Bedeutung erst konstituieren. Das grundlegende Problem der Semantik ist nun die Unschärfe der Zuordnung eines Signifikant zu einem Signifikat. Jacques Lacan beschreibt dies als Forschungsgegenstand der Linguistik: "Die Thematik dieser Wissenschaft hängt von nun an tatsächlich an der erstrangigen Position, die dem Signifikanten und dem Signifikat zukommt als unterschiedenen Ordnungen, die von vornherein getrennt sind durch eine Schranke [barrière] die sich der Bedeutung widersetzt." [17]

Beim Erfassen des Gedankengehalts, also beim Auffinden von Bedeutung ist die Schwierigkeit aufgetreten, daß unendlich viele graduell unterschiedliche Bedeutungen möglich sind. Der Signifikant konnte das Signifikat nicht festhalten; es war lediglich möglich, das Ausmaß der Bewegungsfreiheit des Signifikats bis zu einer weitestreichenden Bedeutung zu durchmessen. Das würde heißen, daß die Bedeutung sich nicht in erster Linie durch eine unscharfe Verknüpfung des Signifikanten mit dem Signifikat einstellen kann, sondern allein aus einem System von Signifikanten also der Sprache selbst hervorgeht. Die Banalität einer solchen Tatsache zeigt sich in dem daraus resultierenden Zwang, die Bedeutung immer nur durch die Beziehung und Wechselwirkung des Signifikanten mit anderen zu erfassen, sie also gemäß der Mechanismen des alternierenden Einschließens und der gegenseitigen Relevanz herzuleiten. Ganz automatisch unterlag die bisherige Analyse diesem Zwang, wenn zum Beispiel gefunden wurde, die Bedeutung "übertrieben" sei weiterreichend als "uneingeschränkt", diese wiederum weiterreichend als "im höchsten Maße", "umfassend" und so fort. Damit ist nichts anderes gesagt, als daß die Signifikanten "übertrieben", "uneingeschränkt", "im höchsten Maße" und so weiter durch ein System der Sprache in eine Ordnung gebracht sind, welche wiederkehrende Schemata, also algorithmische Strukturen aufweist. Dagegen wird es nie gelingen, die Bedeutung aus einem immerhin denkbaren System der Ordnung von Signifikaten abzuleiten oder gar aus der unscharfen Verknüpfung zwischen Signifikant und Signifikat, also der Bedeutung selbst. Bedeutung ist zwar die Leistung einer - wenn auch unscharfen - Verknüpfung von Signifikant und Signifikat, jedoch allein die Funktion eines Systems von Signifikanten. Dies entspricht einer Feststellung, die auch Lacan macht: "Man kann also sagen, daß der Sinn in der Signifikantenkette insistiert, daß aber nicht ein Element der Kette seine Konsistenz hat in der Bedeutung, deren es im Augenblick gerade fähig ist." [18]

Das Erfassen des Gedankengehalts des Witzes orientierte sich an einer Struktur des Systems der Sprache, welche die Signifikanten in eine algorithmische Ordnung des alternierenden Einschließens und der gegenseitigen Relevanz, mithin des Weiterreichens bringt. Bei der Betrachtung der sprachlichen Technik zeigte sich, daß genau dieses Einschließen und die Relevanz im Endeffekt eine Verdichtung erzeugt. Es wurde bereits richtig gefolgert, die Verdichtung sei der Sprache immanent. Ist die Bedeutung aber die Funktion des Systems von Signifikanten, muß sie damit auch die Funktion der Verdichtung sein, welche das System von Signifikanten bezüglich seines hier relevanten Charakters strukturiert. Damit ist der Bedeutung gleichzeitig jedes ontologische Fundament entzogen, sie bleibt lediglich ein Phänomen von Strukturen der Sprache, die unter anderem als verdichtend wahrgenommen werden.

So ist auch die Tendenz von der Sprache immanenter Verdichtung als eine solche gekennzeichnet, die Bedeutung hervorbringt indem sie andere mit einschließt. Die Untersuchung der Bedeutung des Wortes "selbst" kam zu dem Ergebnis, daß die Bedeutung "alle Frauen" eine gänzlich andere ist als etwa "Feministinnen allgemein", auch wenn sie diese einschließt. Die verschiedenen denkbaren Vorstellungen sind also in der einschließenden Bedeutung nicht mehr gegenwärtig. Die Tendenz der Verdichtung läßt sich demnach genauer bestimmen, als Unifizieren, als gegen die einzelne Bedeutung oder das Individuelle des Signifikats gerichtet. Jede einzelne Bedeutung, jedes Individuum, das - wie etwa "Feministinnen allgemein" - verdichtend mit "alle Frauen" bezeichnet wird, bleibt damit auf die Eigenschaft des Frauseins reduziert, verliert jede Individualität. Ebenso können die einzelnen, spezifischeren Bedeutungen "verlangen" und "erwarten" nicht mehr unterschieden werden, wenn sie im Wort "wünschen" verdichtet sind. Die verdichtende Bedeutung "Feministinnen" reduziert eine unbegrenzte Zahl verschiedener Individuen mit unterschiedlichen Zielen auf die "emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten". Die einzelnen Bedeutungen "übertreibend, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" können im Wort "radikal" verdichtet nicht mehr getrennt und unterschieden werden. Es ist die Tendenz von der Sprache immanenter Verdichtung, Bedeutungen hervorzubringen, die unifizieren und ungenau sind; sie richtet sich gegen die einzelne Bedeutung oder das Individuelle des Signifikats.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.2 Verschiebung

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.2.1 Verschiebung als Technik des Witzes

Die Verdichtung scheint nicht die einzige Technik des Witzes zu sein, welche die manifesten Bedeutungen in latente überführt. Mit der Verdichtung geht ein Mechanismus einher, der die eingeschlossenen Bedeutungen auf nur eine von ihnen hinführt.

Die Bedeutung des Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern" ist verschoben zu der Bedeutung "Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen", welche nur eine mögliche Bedeutung des Ausdrucks ist.

Die Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" wird auf das Wort "manchmal" verschoben.

Die Verschiebungen sind gerade dort am augenfälligsten, wo das Erfassen des Gedankengehalts nicht mehr ausschließlich nach den Bedeutungen suchte, welche die denkbaren Bedeutungen der manifesten einschließen, sondern auch nach den Bedeutungen, die im Kontext relevant sein könnten. So wurde unter den denkbaren Bedeutungen von "manchmal" nur diejenige ausgewählt, welche im Kontext der Bedeutung "Penis" relevant ist, nämlich die Bedeutung. Hier bestätigt sich noch einmal die Feststellung, daß es unmöglich ist, die Bedeutung aus einem immerhin denkbaren System der Ordnung von Signifikaten abzuleiten oder gar aus der unscharfen Verknüpfung zwischen Signifikant und Signifikat, also der Bedeutung selbst. Genauso wie die spezifische Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" aus der Relevanz für die Bedeutung "Penis" hervorgeht, wurde unter den denkbaren Bedeutungen von "Unterschied zwischen den Geschlechtern" nur diejenige ausgewählt, welche im Kontext der Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" relevant ist, nämlich die Bedeutung "Penis". Die Bedeutung konnte also nicht aus einer Ordnung der Signifikaten oder der Verknüpfung von Signifikant und Signifikat erschlossen werden, sondern allein aus dem Zusammenspiel der Signifikanten. Bedeutung bleibt also auch hier allein die Funktion eines Systems von Signifikanten, obwohl sie der Leistung einer unscharfen Verknüpfung von Signifikant und Signifikat entspricht. Die Bedeutung insistiert im System, im Zusammenspiel der Signifikanten, aber - um wieder Lacan zu bemühen - nicht ein Element des Systems hat seine Konsistenz in der gegenwärtigen Bedeutung.

Welche Leistung, welche die Verschiebung im Zusammenhang mit der Funktion des Witzes vollbringt, liegt auf der Hand. Durch Verdichtung allein könnte die schon beschriebene Zensur nicht umgangen werden. Die Aussage "Es besteht ein Unterschied zwischen den Geschlechtern" kann neben der im Sprachgebrauch etablierten Aussage "Alle Menschen sind gleich!" bestehen nicht nur weil sie die Vielzahl der Bedeutungen zu einem Ausdruck verdichtet, sondern auch weil die Bedeutung auf das biologische Geschlecht verschoben werden kann, das auch unter einer Zensur "Alle Menschen sind gleich!" unterschiedlichen bleiben mag. Die Leistung des Witzes ist es also, auch durch Verschiebung eine Bedeutung in Einklang mit dem etablierten Sprachgebrauch zu bringen. Gleich nach dem Passieren der Zensur entfaltet sich aber wieder die Bedeutung, welche im Widerspruch zur Zensur steht. Unter dem Eindruck, dieser Widerspruch zur Zensur sei aufgehoben, schließlich habe sie die latente Bedeutung nicht unterbunden, wird die psychische Energie frei, welche vormals zum Durchsetzen der Zensurbestimmung gegenüber der widersprechenden Bedeutung aufgewandt wurde. [19] In genau dieser Weise wirkt die zweite Verschiebung des Witzes. Die Bestimmung der Zensur, den heterosexuellen Geschlechtsverkehr nicht zu benennen, wird durch Verschiebung umgangen, so daß die psychische Energie dieser Zensur frei wird. [20] Der Erzähler des Witzes wird sich dagegen überzeugen, daß die von ihm bereits geleistete Witzarbeit erfolgreich war. Das Lachen des Zuhörers fungiert dann als ein Schlüsselreiz für das Lachen des Erzählers, der an die Stelle des Überraschungseffekts tritt, unter dem sich beim Hörer kurz der Eindruck des Überwindens der Zensur einstellt. [21]

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.2.2 Verschiebung als Technik der Sprache allgemein

Das Bedeutung eine Funktion einer algorithmischen Struktur des gegenseitigen Einschließen ist, geht bereits aus den Überlegungen zur Verdichtung als Technik der Sprache hervor. Die Verdichtung ist aber nicht der einzige Effekt dieser Struktur von Signifikanten. Während mehrere einzelne Bedeutungen durch Verdichtung unifiziert werden, kann eine einzelne dieser Konnotationen oder assoziierten Bedeutungen durch Verschiebung die hauptsächliche Relevanz erhalten.

Die Bedeutung "sogar radikale Feministinnen - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen" wird zur Formulierung "selbst radikale Feministinnen" verschoben.

Die Bedeutung "verlangen und erwarten" wird zum Wort "wünschen" verschoben.

Die Bedeutung "emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten" kann auch unter Verschiebung zu dem Wort "Feministinnen" hervorgerufen werden.

Die Bedeutung "übertreibend, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" zu "radikal" verschoben.

Dieser Vorgang der Verschiebung von latenten Bedeutungen zu manifesten Wortlaut läßt ausgehend von diesem manifesten Wortlaut immer nur den Rückschluß auf weniger denkbare latente Bedeutungen zu. Die Bedeutung "übertreibend, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" sind nur einige mögliche des Wortes "radikal". Bei dem Erfassen der Bedeutung des Wortes "radikal" wurde gezeigt, daß dessen denkbare Bedeutung "vollständig" in der Bedeutung "übertrieben" gar nicht mehr gegeben ist. In denjenigen Bedeutungen, die andere mit einschließen, sind diese mitunter nicht mehr gegenwärtig. Diejenige Bedeutung, die eine andere mit einschließt, benennt und meint die andere Bedeutung nicht mehr, selbst wenn sie diese im Wortlaut noch erwähnt. Ebenso ist die denkbare Bedeutung "bitten" in der Bedeutung "verlangen und erwarten" des Wortes "wünschen" nicht mehr gegenwärtig und die auch denkbare Bedeutung "alle Feministinnen" nicht mehr in der Bedeutung "alle Frauen". Sicherlich bleibt die Verschiebung primär für das Strukturmerkmal der Kombination relevant, da der Kontext, die Bedeutung spezifiziert. Doch die obigen Beispiele zeigen, daß der Effekt der Verschiebung, eine Vielzahl möglicher Bedeutungen unberücksichtigt zu lassen, sich nicht nur dort äußert, wo das Kriterium der gegenseitigen Relevanz in der Struktur der Signifikanten Bedeutung hervorbrachte, sondern auch dort, wo dies das Kriterium des alternierenden Einschließens tat. Umgekehrt könnte man argumetieren, daß die Verdichtung zwar primär Effekt eines Strukturmerkmals der Substitution bleibt. Das Kriterium der gegenseitigen Relevanz mag jedoch auch verdichtete Bedeutungen hervorbringen. Die Verschiebung wird demnach von den selben Strukturmerkmalen der Sprache hervorgebracht wie die Verdichtung. Die Verschiebung ist also der Sprache in der selben Art und Weise immanent wie die Verdichtung. Ist die Bedeutung - wie erläutert - einzig die Funktion des Systems von Signifikanten, muß sie damit neben der Funktion der Verdichtung auch die Funktion der Verschiebung sein, welche das System von Signifikanten bezüglich seiner hier relevanten Merkmale strukturiert.

Daß die Verschiebung sozusagen die Kehrseite der selben Struktur ist, die auch die Verdichtung hervorbringt, heißt jedoch nicht, daß sie die selbe Tendenz bei der Herstellung von Bedeutung haben. Verschiebung konnte bezüglich der selben Bedeutungen nachgewiesen werden wie Verdichtung. Obwohl also Verschiebung und Verdichtung - wenn auch in unterschiedlichem Maße - in jeder Versprachlichung gegenwärtig sind und obwohl sie auf dem selben Strukturmerkmal der Sprache allgemein beruhen, haben sie geradezu entgegengesetzte Tendenzen.

Ein Hinweis auf diese entgegengesetzte Tendenz ist den Überlegungen zur Bedeutung des Wortes "Feministin" zu entnehmen. Es wurde bereits gefolgert, daß beim Erschließen der weitestreichenden Bedeutung gemäß des Kriteriums der gegenseitigen Relevanz des alternierenden Einschließens gegensätzliche Ergebnisse möglich sind. Wenn Bedeutungen andere einschließen oder als einzige relevant sind, werden sie - insofern sie eine Eigenschaft bezeichnen - nicht immer spezifischer und sozusagen enger sein. Benennen Bedeutungen nicht direkt eine Eigenschaft, werden sie dabei offenbar weniger spezifisch und sozusagen weiter sein. Diese These kann überprüft werden, indem die weitreichendste Bedeutung von "feministisch" nach der selben Methode ermittelt wird, wie die weitreichendste Bedeutung von "Feministin".

1. - Die Bedeutung "emanzenhaft" meint "emanzipiert, bereits selbständig" schließt aber außerdem mit ein, daß dies und die Eigenschaft, eine Änderung der Bevorzugung von Männern zu fordern, verwerflich sei.

Die Bedeutung "emanzipiert", ohne ein Abwertung mit einzuschließen die Eigenschaft "unabhängig, selbständig", was aber in diesem Fall schon voraussetzt, daß ein Kampf um diese Unabhängigkeit zumindest teilweise erfolgreich war.

2. - Dagegen bezeichnet die Bedeutung "amazonenhaft" im Sinne von "kämpferisch" nicht den Erfolg, sondern den kämpferischen Charakter des Eintretens für Veränderungen. Das "Amazonenhafte" beschränkt die Forderungen nicht unbedingt auf Gleichberechtigung, sondern weitet sie mitunter bis zum Wunsch nach dem Matriarchat aus.

Die Bedeutung "frauenrechtlerisch" schließt dagegen keine weitere ein, als "für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen eintretend".

Die weitestgehende Bedeutung von "feministisch" ist demnach "verwerflicherweise emanzipiert und für die Herrschaft von Frauen kämpfend". Dagegen repräsentieren die Eigenschaften, welche die weitestgehende Bedeutung des Wortes "Feministin" ausmachen, lediglich einen kleinsten gemeinsamen Nenner von Eigenschaften, die Feministinnen zugeschrieben werden könnten, also "emanzipiert und für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintretend". Dies entspricht der Bedeutung von "feministisch", welche keine weitere mit einschließt, also der näheren Bedeutung eben "emanzipiert und für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintretend". Die nahe Bedeutung von "Feministin" ist wiederum "verwerflicherweise emanzipiert und für die Herrschaft von Frauen kämpfend", die der weitestreichenden Bedeutung von "feministisch" entspricht. Die hier angewandte Methode, das Spektrum von Bedeutungen eines Wortes danach zu strukturieren, welche weiteren relevanten Bedeutungen von der einzelnen jeweils mit eingeschlossen werden, liefert also für das Wort "Feministin" ein Ergebnis, welches das für "feministisch" umgekehrt spiegelt.

Die gegenseitige Relevanz und das alternierende Einschließen bringt ein Ergebnis hervor, das primär als Effekt einer Verdichtung erscheint, wenn der Signifikant nicht in erster Linie eine Eigenschaft meint. Meint der Signifikant aber in erster Linie eine Eigenschaft geht aus den selben Strukturmerkmalen eine Bedeutung hervor, die primär als ein Effekt einer Verschiebung erscheint. Dies deutet darauf hin, daß es eher die Tendenz der Verschiebung ist, Bedeutung hervorzubringen, die sich auf nur eine einzelne, spezifische Eigenschaft richten. Es ist also die Tendenz von der Sprache immanenter Verschiebung, zu detaillieren und zu nuancieren, mithin wird die Bedeutung zugespitzt. Während sich die Tendenz der Verdichtung, sich gegen die einzelne Bedeutung oder das Individuelle des Signifikats richtet, wirkt die Tendenz der Verschiebung gegen die umfassende Bedeutung oder das Gemeinsame von Signifikaten. Das würde zwei Grundtendenzen der Sprache entsprechen, die es ermöglichen, den Gegenstand der Kommunikation entweder alles umfassend oder die Hauptsache treffend zu beschreiben.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

2.3 Kooperation von Verdichtung und Verschiebung

Die Überlegungen zu den Tendenzen der Verschiebung und der Verdichtung haben erwiesen, daß beide Tendenzen innerhalb einer sprachlichen Äußerung festzustellen sind. Dies gilt sowohl für die Äußerungen, die den Witzcharakter ausmachen, als auch für diejenigen welche in jeder anderen sprachlichen Äußerung möglich wären, also zum mehr etablierten Sprachgebrauch gerechnet werden können.

Die Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" ist nur eine mögliche des Wortes "manchmal". Die latente Bedeutung "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" verschiebt sich zur manifesten Bedeutung. Gleichzeitig ist die manifeste Äußerung kürzer und einfacher, es liegt mithin eine Verdichtung vor.

Die Bedeutung des verdichteten Ausdrucks "Unterschied zwischen den Geschlechtern" ist verschoben zu der Bedeutung "Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen".

Die Bedeutung "sogar radikale Feministinnen - wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen" wird zur verdichteten Formulierung "selbst radikale Feministinnen" verschoben.

Die Bedeutung "verlangen und erwarten" wird zum Wort "wünschen" verschoben und im Wort "wünschen" verdichtet.

Die Bedeutung "emanzipierte Frauen, die für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten" kann auch unter Verschiebung zu der Verdichtung "Feministinnen" hervorgerufen werden.

Die Bedeutung "übertreibend, aufrührerisch, keinen Widerspruch duldend" zu "radikal" verschoben und im Wort "radikal" verdichtet.

Nun ist jedoch auch gezeigt worden, daß die Tendenz der Sprache immanenter Verschiebung derjenigen der Verdichtung entgegenwirkt und umgekehrt. Während die Verschiebung detailliert, nuanciert und die Bedeutung zugespitzt, richtet sich die Tendenz der Verdichtung gegen die einzelne Bedeutung oder das Individuelle des Signifikats. Ist die Bedeutung - wie sich herausstellte - eine Funktion beider Strukturmerkmale des semantischen Systems der Sprache, also der Verdichtung und der Verschiebung, wird sie - da beide stets wirksam sind - niemals genau zu bestimmen sein. Bedeutung fluktuiert mithin zwischen den Polen zweier entgegengesetzter Kraftfelder.

In einigen Fällen mag das alles die Verzweiflung an der Sprache hervorrufen. Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit verweist jedoch eher auf das Phänomen, genau diese immanente Widersprüchlichkeit zu instrumentalisieren. Die Aporien, welche der Gegensatz beider Strukturmerkmale der Sprache hervorbringt, werden im Witz zur kurzfristigen, scheinbaren Überwindung des Widerspruchs innerhalb des Systems der Sprache nicht nur in Kauf genommen, sondern zur Manipulation und Beherrschung des Signifikats eingesetzt. Wie dies vonstatten geht und welche Ergebnisse dieser Umgang mit Sprache hervorbringt kann am besten anhand einer Bedeutungsentfaltung gezeigt werden, die von einer weitestreichenden Wirksamkeit von Verschiebung und gleichzeitig von Verdichtung ausgeht.

Die Verschiebung würde für das Wort "Feministinnen" als weitestgehende Bedeutung "Frau, die verwerflicherweise emanzipiert ist und für die Herrschaft von Frauen kämpft" hervorbringen. Denn diese Eigenschaften der Feministinnen wurden bereits als weitestgehende Bedeutung von "feministisch" nachgewiesen. Gleichzeitig könnte die Verdichtung als weitestgehende Bedeutung "Frau, die emanzipiert ist und für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintritt" hervorbringen. Die beiden Bedeutungen stehen im Widerspruch zueinander; in dem einen Fall ist das Ziel der Feministin das Matriarchat, sie kämpft und ihr Feminismus wird als negativ bewertet, in dem anderen Fall ist ihr Ziel bloß die Gleichstellung, sie tritt lediglich dafür ein, kämpft nicht und ihr Feminismus wird nicht als negativ bewertet. Werden trotzdem beide Bedeutungen wirksam, kooperieren sie, so kommt eine ganz neue Bedeutung zustande wie etwa "eine Frau, die emanzipiert ist und für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintritt, ist gleichzeitig eine Frau, die verwerflicherweise emanzipiert ist und für die Herrschaft von Frauen kämpft". Dies kann auf zweierlei Arten verstanden werden.

Möglicherweise wird die pauschalisierte Bedeutung aus der Verdichtung um die der Verschiebung zusätzlich spezifiziert in der Bedeutung "jede Frau, die vorgibt, verwerflicherweise emanzipiert zu sein und für die Herrschaft von Frauen zu kämpfen, ist eigentlich nur emanzipiert (in nicht verwerflicher Weise) und tritt in Wirklichkeit nur für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen (nicht für das Matriarchat) ein".

Umgekehrt kann auch die spezifische Bedeutung der Verschiebung durch die der Verdichtung pauschalisiert werden in der Bedeutung "jede Frau, die vorgibt, nur emanzipiert (nicht in verwerflicher Weise) zu sein und nur für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen (nicht für das Matriarchat) einzutreten, ist eigentlich verwerflicherweise emanzipiert und kämpft in Wirklichkeit für die Herrschaft von Frauen".

In der selben Weise, wie sich unter diesen Bedingungen die Bedeutung von "Feministinnen" entfaltet, können sich auch alle anderen Bedeutungen sprachlicher Äußerungen konstituieren, für die gezeigt wurde, daß Verschiebung und Verdichtung gleichzeitig wirksam sind.

Vor allem in der zweiten möglichen Bedeutung des Wortes "Feministinnen" zeigt sich, wie sich die einzelnen gegensätzlichen Gewalten, welchen das Signifikat durch Verschiebung und durch Verdichtung unterliegt, durch ihre Kooperation potenzieren können. Die Strukturen des semantischen Systems der Sprache beinhalten also auch eine Tendenz zur weitestgehenden Pauschalisieren des weitestgehenden Spezifizieren. Schon durch diese Tendenz bringen sie selbst Bedeutungen hervor, die so komplex sind, daß sie einer bestimmten Erkenntnis entsprechen. Schon die Struktur der Sprache tut also dem, was sie bezeichnet, dem Signifikat Gewalt an, indem sie dieses Ontologische lediglich gemäß ihrer eigenen Strukturen erkennbar macht. Das Ergebnis, zu dem Paul de Man bei seiner Untersuchung komplexerer sprachlicher Äußerungen der Rhetorik kommt, kann also um seine Gültigkeit selbst für den bloßen Code, für die semantische Struktur des Systems der Sprache erweitert werden: "Unser Hauptaugenmerk lag auf der Vergeblichkeit jedes Versuchs, die rhetorische Struktur von Texten im Namen von unkritisch vorausgesetzten Textmodellen wie transzendentalen Telelogien oder, am anderen Ende des Spektrums, bloßen Codes zu unterdrücken. (...) Denn die Rhetorik kann von ihrer epistemologischen Funktion nicht isoliert werden, wie negativ diese Funktion auch immer sein mag." [22]

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

3 Tendenz des Witzes

Die Analyse der Tendenzen der Sprache erhält dadurch weitere Relevanz, daß das Bewußtsein und das Unbewußte als entsprechend der in der Sprache vorgefundenen Strukturmerkmale strukturiert aufgefaßt werden kann. Jacques Derrida beschreibt dies wie folgt: "Der unbewußte Text ist schon aus reinen Spuren und Differenzen gewoben, in denen Sinn und Kraft sich vereinen, ein nirgendwo präsenter Text, der aus Archiven gebildet ist, die immer schon Umschriften sind." [23] Aus den schon entsprechend strukturierten Archiven - wie Derrida es nennt - des Unbewußten gehen also die Äußerungen hervor, welche in der Folge als ein Ausdruck der Konstitution des Unbewußten aufgefaßt werden können. Das Unbewußte liegt zwar nicht unbedingt sprachlich formuliert vor, doch es ist strukturiert wie Sprache, so daß es nicht nur, aber auch durch Sprache hervorgebracht und bezeichnet werden kann. Oder anders: "Die Sprachstruktur des Unbewußten ist also nicht anders als die Sprachstruktur, wie sie sich in Sprachen zeigt, die, sofern sie effektiv von den Massen der Menschen gesprochen werden, Lacan positive nennt. (...) Aufgrund der Reduktion der Sprachbestandteile auf eine Struktur differentieller Elemente, wird der Begriff Sprache so universalisiert, daß nicht mehr Satz, Wort und Lautcharakter entscheidendes Konstituens bilden, sondern systematische Artikulation schlechthin - die Erfüllung dieser formalen Einheit mag aussehen wie auch immer." [24]

Für die konkrete Tendenz des Witzes kann nun also der Versuch unternommen werden, seine Analyse um die daraus folgenden Rückschlüsse auf die Psyche eines lachenden Adressaten zu ergänzen. Die Analyse muß sich also diesbezüglich nicht mehr auf die Beschreibung des Mechanismus der Überwindung einer Zensur und des resultierenden Freiwerdens psychischer Energie beschränken.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

3.1 Gültigkeit der Geschlechterordnung

Es wurde auf eine der Sprache allgemein immanente Tendenz hingewiesen, Bedeutungen zu konstituieren, die Widersprüche zwischen den verschiedenen Spezifizierungen durch Pauschalisieren aufheben, welche erst durch das Spezifizieren des Pauschalen, des Allumfassenden hervorgerufen werden. Tatsächlich zeigt sich diese Tendenz aber auch ganz konkret in dem Zusammenhang des zu besprechenden Witzes. Die Behauptung, daß Feministinnen einen größeren Unterschied zwischen den Geschlechtern wünschen, hat innerhalb des Witzes nicht nur Gültigkeit für Feministinnen, sondern trifft pauschal auf alle Frauen zu.

Dahinter verbirgt sich ein Argumentationsmuster, das die Grundlage des Verhaltens der Feministinnen aus dem biologischen Geschlecht herleitet: alle Frauen wünschen einen größeren Unterschied zwischen den Geschlechtern, also auch die radikalen Feministinnen. Damit ist das biologische Geschlecht als Ordnung gekennzeichnet, deren Geltungsbereich sich kein Individuum entziehen kann; das biologische Geschlecht determiniert - so impliziert es der Wortlaut des Witzes - die Wünsche des Individuums. Tatsächlich kann der Witz den Wunsch der Frauen lediglich aus eben dieser Eigenschaft des Frauseins erklären: alle Frauen wünschen selbstverständlich ohnehin - also per se, das heißt lediglich wegen ihres Frauseins - einen größeren Unterschied zwischen den Geschlechtern. Gleichzeitig wird durch diese Behauptung der Selbstverständlichkeit die einzige Definition jenes Frauseins angedeutet, welche über die Feststellung des biologischen Geschlechts hinausgehen könnte. Als Frauen sind innerhalb der Argumentation des Witzes wiederum diejenigen definiert, die einen größeren Unterschied zwischen den Geschlechtern wünschen. Der Gedankengang des Witzes besagt also, Frauen sind Frauen, weil sie sich wünschen, was Frauen wünschen; oder anders, Frauen sind weiblich, weiblich ist das, was Frauen sind.

Die Tendenz der Sprache, Bedeutungen zunächst in der Kombination mit anderen auf eine spezifische zu verschieben, um sie dann in der Substitution zu einer pauschalen zu verdichten, bringt diese Wirkung der Verwirrung einer Aporie hervor. Für Tropen läßt sich dies am einfachsten zeigen: "Jeder Tropus besteht per definitionem aus einer Substitution von Wörtern und suggeriert folglich eine Äquivalenz zwischen diesen beiden Wörtern, auch wenn ihre Beziehung keineswegs analogisch ist: Segel für Schiff zu sagen, bedeutet, aus dem Segel ein Substitut, also ein Äquivalent für Schiff zu machen. Nun ist die semantische Beziehung, welche der Äquivalenz am nächsten steht, offensichtlich die Ähnlichkeit [similitude], die spontan als eine Quasie-Identität empfunden wird, auch wenn es sich nur um eine partielle Ähnlichkeit [réssemblance] handelt. Es ergibt sich also eine fast unvermeidliche Konfusion (die man gerne als ´natürlich` sehen würde) zwischen stehen für und sein wie, in deren Namen jeder beliebige Tropus als Metapher gelten kann." [25] Für Schiff und Segel aus dem Beispiel Gérad Genettes könnte zur Verdeutlichung der Leistung des Witzes durchaus Penis und Geschlecht gesetzt werden: Penis für Geschlecht zu sagen, bedeutet, aus dem Penis ein Äquivalent für Geschlecht zu machen. Der Penis wird als Quasie-Identität des Geschlechts empfunden.

Wie die Identität des Frauseins wird also auch das Geschlecht selbst, mithin jeder Unterschied zwischen den Geschlechtern einzig von dem Penis, mithin von der Unterscheidbarkeit des biologischen Geschlechts abgeleitet. In der Argumentation des Witzes leistet die Ungleichheit des Vorhandenseins oder Nichtvorhandenseins eines Penis nicht nur die primäre Kennzeichnung des biologischen Geschlechts, sondern gleichzeitig auch die der gesellschaftlichen Ungleichheit von Männern und Frauen. Auch hier bringt die Ableitung jeder Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aus der Ungleichheit des biologischen Geschlechts eine Aporie hervor. Es ist die Behauptung des Witzes, daß Männer und Frauen ungleich sind, da der Mann einen Penis hat und Frauen nicht; oder anders, Frauen und Männer sind ungleich, da Männer männlichen Geschlechts sind und Frauen weiblich, das heißt, Frauen und Männer sind ungleich, denn Frauen sind Frauen und Männer sind Männer.

Die Metapher "Unterschied zwischen den Geschlechter" für "Penis" bringt hier also zusammen mit ihrem Kontext die Bedeutung einer Geschlechterordnung, welche an der Harmlosigkeit, an der rein ästhetischen Funktion solcher und ähnlicher sprachlicher Konstruktionen zweifeln läßt: "Der geläufigen Annahme entgegen, ist die Literatur nicht der Ort, an dem die unsichere Epistemologie der Metapher durch ästhetische Lust suspendiert wird - auch wenn dieser Versuch ein konstitutives Moment ihres Systems ist. Sie ist eher derjenige Ort, an dem gezeigt wird, daß die Möglichkeit einer Konvergenz von Strenge und Lust Täuschung ist. Die Konsequenzen dieses Gedankenganges führen zu der schwierigen Frage, ob das gesamte semantische, semiologische und performative Feld der Sprache als von tropologischen Modellen abgedeckt angesehen werden kann - eine Frage, die erst gestellt werden kann, nachdem die wuchernde und erschütternde Macht der figürlichen Sprache rückhaltlos anerkannt worden ist." [26] Natürlich kann diese sich aufdrängende Frage nicht in ihrer Tragweite beantwortet werden. Doch die erschütternde Macht der Sprache, von der Paul de Man spricht, scheint zumindest im vorliegenden Fall lediglich aus einem System der Sprache hervorzugehen, welche Bedeutung allein aus ihrer immanenten Struktur konstituiert. Dabei sind Tendenzen wirksam, die eben solche wuchernden Aporien hervorbringen, wie die der Geschlechterordnung. Bedeutung - also auch die des gesamten Witzes - entsteht nicht in erster Linie durch eine vorhandene Verknüpfung zwischen Signifikant und Signifikat, sondern aus den manipulierbaren Regeln eines Zusammenspiels der Signifikaten, aus dem komplexen Zusammenwirken widersprüchlicher Tendenzen in der Struktur des semantischen Systems der Sprache. So wäre es zumindest nicht weiter erstaunlich, wenn sich die gesamte Sprache als von tropologischen Modellen übersäht erwiese, wie demjenigen, mit "Penis" oder "biologischem Geschlecht" die "gesellschaftliche Geschlechtsspezifik" beziehungsweise die "gesellschaftliche Ungleichheit von Mann und Frau" zu meinen.

Tatsächlich ist das, was hier als Aporie, als unauflösbare logische Fehlkonstruktion erscheint, im Denken des Alltags, im etablierten Sprachgebrauch mehr oder weniger akzeptiert. Gerade dasjenige, was lediglich aus sich selbst begründet wird, das heißt dasjenige, was nur aus sich selbst heraus verstanden wird und nicht von außen hergeleitet werden kann, gilt als im wahrsten Sinne des Wortes "selbstverständlich".

Die Tatsache, daß die beiden Kategorien der Geschlechterordnung und die der Geschlechterordnung immanente gesellschaftliche Ungleichheit zwischen den beiden Geschlechtern aus den Geschlechtskategorien und der Ungleichheit selbst erklärt wird, deutet jedoch nicht nur auf deren jeweilige Selbstverständlichkeit. Die Kategorien der Geschlechterordnung und die gesellschaftliche Ungleichheit können damit gleichzeitig nicht mehr hinterfragt werden, da sie nur an der Oberfläche dialektisch bestimmt als "Frauen sind die, die keine Männer sind" und umgekehrt. Es entspricht dem Charakter der Aporie, daß die Feststellung "Frauen sind weiblich, weiblich ist das, was Frauen sind" auf die Frage "Was sind Frauen?" keine weitere Antwort als eben "Frauen sind die, die keine Männer sind" erlaubt, so daß schließlich die Feststellung "Frauen und Männer sind ungleich, denn Frauen sind Frauen und Männer sind Männer" überhaupt keine weitere Antwort auf die Frage "Warum sind Frauen und Männer ungleich?" zuläßt. Dasjenige, was nur aus sich selbst begründet ist, kann nicht nach seinen Gründen hinter-fragt werden, denn es fehlt eben jeder Hinter-Grund.

Denkbar sind zwei unterschiedliche Reaktionen auf das Problem, das Hinterfragen beider Feststellungen nicht beantworten zu können. Eine erste Strategie könnte versuchen, auf das Denken in Geschlechterkategorien zu verzichten, da diese - wie auch die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern - nachweislich unbegründet sind, auf nichts weiter beruhen als der Reproduktion ihrer selbst. Offenbar trifft dies für den vorliegenden Witz nicht zu, schließlich argumentiert er noch mit den Geschlechterkategorien, ohne diese zu hinterfragen. Die zweite Strategie würde nicht die Behauptungen über die Geschlechterordnung als absurd empfinden, sondern lediglich das Hinterfragen derselben. Die Kategorien der Geschlechterordnung erhalten dabei den Charakter eines unumstößlichen Postulats, einer fundamentalen Konvention, die eben deshalb gegen jedes Hinterfragen so erbittert verteidigt werden muß, weil ihr selbst jedes Fundament fehlt und ihre sich selbst tragenden Konstruktion durch jede Frage leicht umzustoßen ist. Die Gültigkeit der Geschlechterordnung muß als absolut angesehen werden, zur pauschalen Gültigkeit gemacht werden, um überhaupt vorhanden zu sein. Jedes partielle, individuelle In-Frage-stellen der Geschlechterordnung wird von einem solchen Standpunkt aus nicht nur als absurd gelten, sondern auch als Bedrohung, mithin als verwerflich.

Genau diese Haltung entspricht einer Tendenz des hier analysierten Witzes: Die Behauptung eines frauenspezifischen Wunsches erhält pauschale Gültigkeit für alle Frauen, wodurch in einem fragwürdigen Umkehrschluß die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung verifiziert wird. Die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung wird als selbstverständlich und mithin als nicht zu hinterfragen gekennzeichnet. Eine Tendenz des Witzes ist also die Befürwortung der pauschalen Gültigkeit der Geschlechterordnung.

Die Analyse dieser Tendenz des Witzes hat jedoch Aporien aufgedeckt, deren Ursprung nicht nur in diesem einzelnen Witz liegen dürfte und deren Wirksamkeit über die Sphäre des Witzes hinausgehen könnte. Möglicherweise äußert sich im Witz die Problematik einer Aporie, welche nicht nur die Bedeutung einer Geschlechterordnung innerhalb des Witzes hervorbringt, sondern die Geschlechterordnung innerhalb der Kultur. Ist dies wirklich der Fall, so müßte die Analyse selbst in einer größeren Tragweite verstanden werden: "Einsicht in die Negativität der Kultur ist verbindlich bloß dann, wenn sie sich ausweist als triftiger Befund der Wahrheit und Unwahrheit einer Erkenntnis, der Konsequenz oder Lahmheit eines Gedankens, der Stimmigkeit oder Brüchigkeit eines Gebildes, der Substantialität oder Nichtigkeit einer Sprachfigur. Wo sie aufs Unzulängliche stößt, schreibt sie es nicht eilfertig dem Individuum und seiner Psychologie (...) zu, sondern sucht es aus der Unversöhnlichkeit der Momente des Objektes abzuleiten. Sie geht der Logik seiner Aporien, der in der Aufgabe selber gelegten Unlösbarkeit nach." [27] Tatsächlich wird sich später zeigen, daß die latenten Bedeutungen des Witzes nicht mehr in allen ihren Ebenen der eindeutig bestimmbaren Psychologie von Individuen zuzuschreiben ist. Diese Tatsache wird aber wiederum bestimmte Rückschlüsse auf den Charakter der Gesellschaft zulassen und zur Feststellung führen, daß die semantische Konstruktion des Witzes einen Diskurs von Bedeutungen abbildet, der im gesellschaftlichen, kulturellen Geschlechterdiskurs eine Entsprechung findet.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

3.2 Rechtfertigung der Geschlechterordnung aus dem Verstoß gegen die Ordnung

Die Tendenz des Witzes beschränkt sich nicht auf das bloße Befürworten einer pauschalen Gültigkeit der Geschlechterordnung. Da diese selbst lediglich aus dem Gedankengang einer Aporie abzuleiten ist, wird die Geschlechterordnung noch auf eine zweite Art und Weise pauschal geltend gemacht. Es ist bereits erwähnt worden, daß den Frauen und speziell feministischen Frauen, deren Ziel eigentlich eine Änderung des Geschlechterverhältnisses ist, der Wunsch nach dem Erhalt der Ungleichheit zwischen Mann und Frau zugeschrieben wird. Die Ziele und die Identitäten von denjenigen, welche die Gültigkeit der Geschlechterordnung in Frage stellen, also von emanzipierten Frauen werden schließlich noch als verwerflich bezeichnet. Daraus läßt sich nicht nur ableiten, der Witz impliziere, daß sich kein Individuum der pauschalen Gültigkeit von Kategorien der Geschlechterordnung entziehen kann, sondern auch, daß die Geschlechterordnung eben gerade auch von denjenigen reproduziert wird, die sie modifizieren oder abschaffen wollen. Das entspricht einer Variation der Argumentation der bereits untersuchten Aporien: Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen gilt pauschal, weil sie auch für Feministinnen gilt und von ihnen gewünscht ist; oder anders, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und damit die Geschlechterordnung hat pauschale Gültigkeit, denn sie gilt auch im Fall der Ausnahme, das heißt für diejenigen, die sie leugnen. Diese Denkweise begründet die Gültigkeit der Geschlechterordnung mit ihrer Gültigkeit für die Ausnahme, also die Fälle der Ungültigkeit; oder anders, die Gültigkeit gilt immer, denn sie gilt auch, wenn sie nicht gültig ist.

Wieder wären zwei Strategien im Umgang mit dieser Aporie denkbar. Entweder muß die pauschale Gültigkeit absurd sein, da sie nicht immer zutrifft, oder die Annahme einer Ausnahme muß als absurd aufgefaßt werden. Der Witz scheint eher dazu zu verleiten, mit der von ihm aufgeworfenen Aporie gemäß der zweiten Strategie zu verfahren: nicht die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung ist absurd, sondern die Ausnahme. Das Hinterfragen der Geschlechterordnung durch die Feministinnen ist damit nicht nur als absurd und verwerflich gekennzeichnet, sondern erhält auch die Funktion, eben durch ihre Absurdität und Verwerflichkeit, also ihre Erfolglosigkeit die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung zu begründen und damit zu rechtfertigen. Der verwerfliche Verstoß gegen die Regel der Geschlechterordnung, die Ausnahme bestätigt und rechtfertigt diese Regel.

Dieses Rechtfertigen der Geschlechterordnung kann durch eine Betrachtung der Mechanismen näher beleuchtet werden, die eine Ausnahme als absurd erscheinen lassen. Der Charakter der Aporie verlangt nicht nur, daß eines ihrer Elemente, die Gültigkeit oder die Ausnahme von der Geschlechterordnung als falsch erkannt wird. Gerade dadurch, daß sie eben eines von zwei Elementen enthält, das unter den Bedingungen des anderen Elements falsch ist, setzt sie voraus, daß jeweils die Bedingungen des Elements, die das andere Element zu einem falschen machen, als richtig anerkannt werden. Die Aporie übt einen Zwang aus, eines seiner Elemente als richtig und gerechtfertigt anzuerkennen: ist die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt, dann ist die Ausnahme, der Verstoß gegen die Geschlechterordnung falsch, verwerflich und absurd; ist der Verstoß gegen die Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt, dann ist die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung falsch, verwerflich und absurd. Wie beim Erfassen der Bedeutung des Wortes Feministinnen gezeigt wurde, liegt "verwerflich" im Bereich möglicher assoziierter Bedeutungen von "Feministinnen". Schon die Struktur des semantischen Systems der Sprache, ermöglicht es, Feminismus als Programm von "Emanzen", als verwerflich anzusehen. Daher ist es naheliegend, eben den Verstoß gegen die Geschlechterordnung durch die Feministinnen als verwerflich und absurd anzunehmen. In einem Umkehrschluß vollzieht sich in der Folge die Rechtfertigung der Geschlechterordnung: ist die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt, dann ist der Verstoß gegen die Geschlechterordnung falsch, verwerflich und absurd. Dieser Verstoß ist verwerflich, dann bleibt also die Gültigkeit der Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt. Genau diese Argumentation gegen den Feminismus sucht Heike Kahlert in ihrer Wirksamkeit im gesellschaftlichen Diskurs zu dekonstruieren, indem sie Derridas sprachtheoretisch begründete Methode adaptiert, um zu dem Schluß zu kommen, in letzter Konsequenz müsse das gesellschaftliche System der Zweigeschlechtlichkeit dekonstruiert werden, die Bedeutungen von Geschlechterdifferenz sollten nicht mehr benannt werden. [28] Gemäßigtere Positionen verlangen, daß wenn nicht der Unterschied zwischen den Geschlechtern, so doch die Ungleichheit, die Hierarchie zwischen den Geschlechtern in seiner Konstruktion analysiert wird, um aufgehoben werden zu können: "Begriffe [wie "Mann" und "Frau"] werden zwar (...) durch Eingrenzung bestimmt: was dem widerspricht, was definitorisch als dominant gesetzt wird, gehört nicht dazu. Insofern schaffen identitätslogische Definitionen Verschiedenheit. Aber Verschiedenheit muß nicht Opposition heißen. Zu Opposition werden Unterscheidungen erst, wenn sie sich als kontradiktorische wechselseitig ausschließen. Erst ein nächster Schritt setzt die Oppositionen in ein Verhältnis der Asymmetrie oder Hierarchie. Aus einer Entgegensetzung (reine Unterscheidung) wird eine durch Dominanzanspruch bestimmte Negation. (...) Es gilt diesen Prozeß reflexiv zu rekonstruieren, um der Kriterien innezuwerden, nach denen in Begriffsbestimmungen gewichtet und bewogen wurde." [29]

Es gehört zu den fundamentalen Bedingungen der Rechtfertigung einer Geschlechterordnung durch den Witz, den Verstoß der Feministinnen als absurd zu kennzeichnen, welcher die Aporie der Geschlechterordnung tatsächlich in der beschriebenen Weise zu dekonstruiert, ihr die Bedeutsamkeit und Bedeutung nimmt. Das geschieht außer durch die Struktur des semantischen Systems der Sprache, auch durch die Konstruktion der Aporie selbst. Der manifeste Wortlaut des Witzes meint "Feministinnen wünschen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist". Da die Bedeutung Feministinnen jedoch gerade dadurch definiert wird, daß diese für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten, muß die Aussage als widersprüchlich erkannt werden. Entweder die als Feministinnen Bezeichneten sind keine Feministinnen oder sie wünschen keinen größeren Unterschied. Der Witz verleitet dazu, das Problem dadurch zu lösen, daß Feministinnen nicht als Feministinnen, sondern eben wie selbstverständlich ohnehin alle Frauen angesehen werden. Dies geschieht, indem er darauf anspielt, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern eben nicht nur die gesellschaftliche Ungleichheit meint, sondern auch das biologische Geschlecht. Meint aber das zweite Element der Aporie "wünschen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist" das biologische Geschlecht, löst sich die Aporie auf. Damit liegt die Entscheidung näher, die Bedeutung dieses zweiten Elements, von dem aus die Aporie aufzulösen ist, als richtig anzunehmen, das erste Element mit der Bedeutung "Feministinnen" als fehlerhaft. Das Paradox der Bedeutung des Witzes wird also nicht nur deswegen als selbstverständlich und normal erscheinen, weil das semantische System der Sprache - wie oben beschrieben - zumindest die mit dem Wort "Feministin" verbundenen Teilbedeutungen schon als verwerflich, mithin als absurd kennzeichnet. Die Aporie der Geschlechterordnung wird auch durch eine zweite Argumentation überdeckt, welche eben lediglich mit der Bedeutung "biologisches Geschlecht" für "Unterschied zwischen den Geschlechtern" arbeitet. Unter den Bedingungen dieser zweiten Argumentation ist bezüglich der Bedeutung der Geschlechterordnung, des Unterschieds zwischen den Geschlechtern keine Paradoxie wirksam: diejenige, die unter den Bedingungen der ersten entsteht, bleibt unbemerkt. In der Analyse dieses Wirkens einer Argumentation, die der eigentlichen obenauf gesetzt wird, ist nach der Untersuchung der Struktur der Sprache des Witzes auch eines der Projekte der Dekonstruktion verwirklicht: "Es ist aber klar, daß die Dekonstruktion unter anderem ein Versuch ist, in dem Text, den sie analysiert, Aufpfropfungen zu identifizieren: Wo sind die Verbindungspunkte oder Akzente, wo Ableger eines Argumentationsstrangs, der einem anderen aufgepfropft wird?" [30]

Doch die Selektion einer der Bedeutungen "Feminismus (das was Feministinnen ausmacht) ist absurd" oder "die Geschlechterordnung ist absurd" wird auch noch durch ein weiteres Merkmal des Witzes gelenkt. Diese Entscheidung wird schon dadurch beeinflußt, daß die relevante Bedeutung "Unterschied zwischen den Geschlechtern" manifest vorliegt, die von "Feministinnen" nur latent, nämlich "Frauen, die den Unterschied zwischen den Geschlechtern aufheben wollen". Um der für die Aporie wirksamen latenten Bedeutung des Elements "Feministinnen" soviel Geltung zu verschaffen, daß es möglich ist, sie genauso naheliegend als richtig und gerechtfertigt zu erkennen, wie die Bedeutung "wünschen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist", müßte also eine nicht geringe Analysearbeit geleistet werden. Auf diese wird jedoch sicherlich verzichtet werden, wenn sich - wie gezeigt - auf schnellerem, einfacherem Wege eine Lösung der Aporie erreichen läßt, indem "Feminismus ist absurd" als richtig erkannt wird.

Genau diese Lösung der latent zu Tage tretenden Aporie, welche die Gültigkeit einer Geschlechterordnung konstituiert, setzt aber voraus, daß diejenige, die eine Geschlechterordnung konstituiert, als selbstverständliches unumstößliches Postulat verstanden wird, also in der im vorigen Kapitel beschriebenen Weise behandelt wird. Das heißt also, schon um das latent zu Tage tretende Paradox der Gültigkeit einer bestimmten Geschlechterordnung auch für Feministinnen zur Auflösung zu bringen, muß die Geschlechterordnung als selbstverständlich gelten und erst in der Folge begründet sich deren pauschale Gültigkeit aus der Absurdität des Feminismus als Ausnahme von der Geschlechterordnung. Ist die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt, dann ist der Verstoß gegen die Geschlechterordnung falsch, verwerflich und absurd. Da dieser Verstoß als verwerflich erkannt wird, muß die Gültigkeit der Geschlechterordnung richtig und gerechtfertigt scheinen. Damit ist es eine weitere Tendenz des Witzes, die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung zu rechtfertigen, indem der Verstoß gegen ihre Regeln als absurd, verwerflich und erfolglos identifiziert wird.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

3.3 Verteidigung der Geschlechterordnung

Es hat sich gezeigt, daß die Bedeutung des Witzes dazu zwingt, die Geschlechterordnung als gültig und selbstverständlich anzuerkennen. Geschieht dies nicht, so verharrt die Bedeutung in einer ungelösten Paradoxie, der Gedankengang des Witzes kann nicht nachvollzogen werden; die besprochenen Aporien sind in der Bedeutung des Witzes enthalten und dienen ihr gleichzeitig als Fundament, auf der die Bedeutung fußt und aus dem sie aufgebaut wird. Wird mit den Aporien verfahren wie in den beiden vorherigen Kapiteln beschrieben, erschließt sich eine Bedeutung des Witzes, die jedoch gerade das rechtfertigt, was zum Erschließen der Bedeutung als selbstverständliche Gegebenheit vorausgesetzt werden mußte.

Diese Funktion des Witzes scheint nur dann entsprechend zweckmäßig zu sein, wenn die pauschale Gültigkeit der Geschlechterordnung, die er rechtfertigt, eben doch nicht so selbstverständlich vorauszusetzen ist, wie es die Bedeutung des Witzes vorgibt. So stellt sich also die Frage, inwieweit es noch zum etablierten Sprachgebrauch gehört, von einer Geschlechterordnung auszugehen. Eine Aussage wie "Frauen und Männer sind ungleich, da Männer männlichen Geschlechts sind und Frauen sich weiblich verhalten (das wünschen, was alle Frauen wünschen)" offenbart nur dann ihren Charakter als Aporie, wenn sie zugespitzt wird in der Bedeutung "Frauen und Männer sind ungleich, denn Frauen sind Frauen und Männer sind Männer". Außerdem kennzeichnen die sprachlichen Bestandteile des Witzes, die lediglich diese latente Bedeutung zugrunde legen, nicht seinen Charakter als Witz. Die manifeste Äußerung "Feministinnen wünschen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!" ruft folgerichtig keinen Effekt des Lachens hervor, sie ist auch innerhalb einer beliebigen sprachlichen Äußerung denkbar, die nicht den Charakter eines Witzes besitzt. Aus beiden Gründen ist die Voraussetzung einer Geschlechterordnung dem etablierten Sprachgebrauch zugehörig.

Die Frage nach dem Grund für das Rechtfertigen der Geschlechterordnung muß also auf einem anderem Wege beantwortet werden. Genauso wie die Voraussetzung einer Geschlechterordnung zum etablierten Sprachgebrauch zählt, ist auch die Aussage "Frauen, die für gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen eintreten" als Bedeutung des Wortes "Feministinnen" im Sprachgebrauch etabliert. Daß jedoch die Bedeutungen dieser beiden Äußerungen des etablierten Sprachgebrauchs in einem Verhältnis der Konkurrenz zueinander stehen, wurde bereits durch die Paradoxie verdeutlicht, die beim Aufeinandertreffen beider Bedeutungen entsteht. Das Voraussetzen einer Geschlechterordnung mag also zum etablierten Sprachgebrauch gehören, doch droht ihrer etablierten Position Gefahr von der Bedeutung "Feministinnen". Die Rechtfertigung der Geschlechterordnung ist also zweckmäßig als Reaktion auf diese Gefahr.

Die Rechtfertigung der Geschlechterordnung konnte sich - wie im vorigen Kapitel gezeigt worden ist - nur entwickeln, indem sie die konkurrierende Bedeutung "Feministinnen" als absurd kennzeichnete. Die Tendenz des Witzes ist also gleichzeitig auch aggressiv gegen die Feministinnen gerichtet. Dies wird deutlich aus der Art und Weise der aggressiven Verteidigung der Geschlechterordnung. Für die Analyse der Tendenzen des Witzes war es bisher recht unbedeutend, daß der Wortlaut "Unterschied zwischen den Geschlechtern" und "manchmal" auf die Bedeutungen "Penis" und "beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr" anspielt. Jedoch sind es gerade diese, welche den Witz eben in seinem Charakter als Witz ausmachen. Fehlen beide Äußerungen, löst die verbleibende Aussage "Feministinnen wünschen, daß der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer ist!" keinen Lacheffekt aus. Tatsächlich gehört die Bedeutung nicht zum etablierten Sprachgebrauch. Die Aussage "der Penis entspricht der gesellschaftlichen Ungleichheit von Männern und Frauen" kann nicht mehr durch eine Analyse als Aporie und Paradox entlarvt werden; das Ergebnis der Analyse, die Darstellung der Aporien, auf denen die Bedeutung des Witzes aufbaut, tritt schon in der latenten Bedeutung der Aussage zu Tage. Ist die latente Bedeutung als paradox erkennbar, kann sie nicht mehr zu dem etablierten Sprachgebrauch gehören. Die hauptsächliche Leistung der Witzarbeit ist es mithin, genau diese latente Bedeutung durch die besprochenen Techniken der Verdichtung und Verschiebung in eine manifeste Äußerung zu kleiden, welche die Zensur passieren kann, welche vom etablierten Sprachgebrauch ausgeht. Die manifeste Äußerung "Unterschied zwischen den Geschlechtern" gehört zum etablierten Sprachgebrauch, löst keinen Widerspruch der Zensur aus. Entfaltet sich jedoch ihre latente Bedeutung "Penis und damit die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen" scheint diese die Zensur, welche sie unterdrückte, widerspruchsfrei überwunden zu haben. Die psychische Energie dieses Unterdrückens, die psychische Energie der Zensur, also des Hemmnisses relativ zu dem Unterdrückten wird nun im Lachen frei.

Die Tendenz, eine Geschlechterordnung geltend zu machen, und die weitere Tendenz, diese Geschlechterordnung zu rechtfertigen, sollten - wie sich gezeigt hat - nicht auf direktem Wege den Effekt des Lachens hervorbringen. Dieser resultiert aus der Wirksamkeit einer dritten Tendenz, die sozusagen die Schwachstelle der Geschlechterordnung zu verteidigen sucht und dabei die beiden ersten voraussetzt. Von hieraus könnte also eine Aussage darüber hergeleitet werden, wie das Unbewußte derjenigen Adressaten konditioniert sein muß, welche über den Witz lachen, mithin auch der Personen, die ihn erzählen um sich - nach Freud - von der Wirksamkeit der von ihnen geleisteten Witzarbeit zu überzeugen. [31] Da das Unbewußte - nach Lacan - eine Struktur hat, die der Sprachstruktur entspricht, [32] müßte gefolgert werden, daß es eine Geschlechterordnung als gültig und gerechtfertigt ansieht in genau der Weise, wie es die in den beiden vorigen Kapitel analysierte sprachliche Äußerung tut. Weiterhin müßte eine Zensur bewußt sein, die das Ableiten der Geschlechterordnung aus dem biologischen Geschlecht und den Versuch der Rechtfertigung einer Geschlechterordnung, damit auch die Befürwortung ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit verbietet. Die kontrollierende Zensur und die kontrollierte, unterdrückte unbewußte Anschauung stehen in einer Opposition zueinander, welche die Spannung aufbaut, deren Energie im Lachen frei wird, wenn die Opposition scheinbar aufgehoben ist. Der Witz richtet sich demnach wohl eher an Adressaten, die zwar unbewußt dem traditionell männlichen Programm einer selbstverständlichen Geschlechterordnung anhängen, denen aber bewußt ist, daß diese eben unbegründet ist.

Andererseits könnte aber auch lediglich darüber gelacht werden, daß im Witz der Versuch scheitert, die Geschlechterordnung symbolisch beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr wiederherzustellen. Die Zensur würde dabei von der Erfahrung ausgemacht, daß die Geschlechterordnung durchaus in phalokratischer Weise hergestellt werden kann; das hiervon unterdrückte Unbewußte, wäre dann der Wunsch, eben diesem Phallus seine Potenz zu rauben, die Geschlechterordnung herzustellen.

Eine denkbare dritte Art von Adressaten, auf welche die Konditionierung der beiden ersten nicht zutrifft, würde nun lediglich aus Schadenfreude - ein Effekt, den Freud analysiert [33] - über die Unzulänglichkeit des Geschlechts lachen.

Der Adressat des Witzes läßt sich hier also nicht genau bestimmen. Das deutet auf ein Phänomen, daß auch Peter Fuchs beobachtet. "Adressabilität ist die condition sine qua non für die Genesis und Reproduktion von Bewußtsein. Eine Anschrift zu sein, in kommunikativen Kontexten zu zählen, ein eigenes Gewicht zu haben, kurz, gehört zu werden und hörenswert zu sein, das ist die Sinnofferte, die vor der Ratifikation aller anderen Selektionszumutungen ratifiziert werden muß." [34] Gerade diese Adresse ist nun aber nicht mehr bestimmbar, sie wird beliebig und kennzeichnet damit wohl eher postmoderne gesellschaftliche Verhältnisse, als moderne, wie Fuchs meint: "Sie [die Adresse] ist nicht komplett selbstbeobachtungsfähig, sie ist keine zeitfest durchgehaltene Identität, sie changiert, das heißt: Sie wechselt die Verhaltensstandards situativ. (...) Eine Metapher dafür wäre, daß die kommunikative Konstruktion einer Adresse unter modernen [?] gesellschaftlichen Bedingungen die Konstruktion eines Feldes ist, einer Transgression, und eine weitere Metapher dafür wäre, daß die Konstruktion des Feldes unter die Bedingungen einer Unschärferelation gerät: Es läßt sich sozusagen nicht gleichzeitig, es läßt sich nicht komplett beobachten." [35]

Obwohl also der Adressat des Witzes nicht näher bestimmbar ist, als oben aufgeführt, lachen doch alle denkbaren Adressaten genau über die selbe Konstruktion innerhalb des Witzes, die lediglich auf einer weiteren Ebene die jeweils erwähnten, unterschiedlichen Bedeutungen erhalten hat. Auf einer ersten Ebene müssen jedoch diejenigen Bedeutungen des Witzes erhalten bleiben, welche für das Verstehen des Witzes als entscheidend beschrieben wurden. Der Witz zwingt also jeden Adressaten zum Verständnis, eine gerechtfertigte, pauschal gültige Geschlechterordnung als im Sprachgebrauch nicht mehr etabliert, aber als unterdrücktes Bedürfnis anzuerkennen. Verfehlt er also seinen Zweck, das Unbewußte, das Unterdrückte wieder zur Geltung zu bringen, so wird er, wenn auch im geringem Maße, dem Adressaten die Zensur und ein ins Unbewußte gebanntes Bedürfnis nach der Gültigkeit der Geschlechterordnung zuschreiben.

Der Witz beeinflußt die Konditionierung der Adressaten dahingehend, daß sein Verständnis erst möglich wird. Ihm selbst kommt damit die Fähigkeit zu, im sprachlichen System mitzubestimmen, welcher Sprachgebrauch als etabliert gelten darf und welcher unbewußt ist. Die Bedeutung, welche im Sprachgebrauch nicht etabliert ist und in der Folge den Charakter als Witz hervorruft, entspricht der, die gesellschaftliche Ungleichheit von Männern und Frauen, also die Geschlechterordnung allein auf den Unterschied des biologischen Geschlechts zurückzuführen. Genau diese war es aber auch, welche die Aporie bedingte, die im Rahmen der Geschlechterordnung den Mann als männlich und die Frau als weiblich erklärt, das heißt, die Geschlechterordnung nur aus sich selbst heraus ableitet und versteht. Also muß gerade dasjenige gegen die konkurrierende Bedeutung "Feministin" verteidigt werden, was die Bedeutung der Geschlechterordnung mit allen immanenten Paradoxien hervorbringt. Gleichzeitig scheint genau dieses Ableiten der Geschlechterordnung aus dem biologischen Geschlecht von der Konkurrenz derjenigen Bedeutungen aus dem etablierten Sprachgebrauch verdrängt zu sein, die hier in dem Wort "Feminismus" zusammengefaßt werden. Der Diskurs zwischen diesem Feminismus und der Bedeutung einer pauschal gültigen Geschlechterordnung ist also in einem Stadium, in dem die Voraussetzungen der Geschlechterordnung als offen zutagetretende Paradoxien aus dem etablierten Sprachgebrauch, aus dem etablierten Denken verbannt werden. So befördert sie der Witz aus dem Unbewußten wieder zur offen ausgesprochenen Geltung, indem er eine Zensur des etablierten Sprachgebrauchs umgeht, die etwa "der Unterschied des biologischen Geschlecht kann und darf keine gesellschaftliche Ungleichheit begründen" meinen könnte. Während also ihre Voraussetzungen nicht im etablierten Sprachgebrauch, sondern nur unbewußt gelten, gehört die Geschlechterordnung selbst noch zum etablierten Sprachgebrauch, auf die keine Zensur der Bedeutung Feminismus einen hemmenden, unterdrückenden Einfluß ausüben kann. Die ihr immanenten Aporien treten in ihrer Bedeutung nicht zu Tage, während die Paradoxie ihrer Voraussetzung längst beleuchtet ist.

Der Witz kennt sozusagen die strategische Lage eines Geschlechterdiskurses um etablierte Bedeutungen im semantischen System der Sprache. Doch verteidigt seine Tendenz nicht nur die gefährdete Geschlechterordnung, sondern er begründet auch die Gefährdung. Hier kommt erneut der Mechanismus zum tragen, der den Penis zum Symbol für das Geschlecht, zum In-Begriff des Unterschied zwischen den Geschlechtern macht. "Was Begriff und Symbol verbindet, ist ihre Indifferenz gegen die Anwesenheit dessen, was sie vorzustellen anweisen. Während der Begriff potentiell auf Anschauung tendiert und angewiesen bleibt, löst sich das Symbol in der umgekehrten Richtung von dem, wofür es steht. Es mag sein, daß die Fähigkeit zum Symbol aus der Unfähigkeit zur Abbildung entstanden ist, wie Freud es vermutet (...). Entscheidend ist, daß dieses elementare Organ des Verhältnisses zur Welt Abkehr von Wahrnehmung und Vergegenwärtigung ermöglicht als freie Verfügung über das Ungegenwärtige. (...) Die Fahne repräsentiert nicht nur den Staat, der sich ihre Farbenfolge gewählt hat, sondern sie kann im Gegensatz zu diesem erbeutet oder geschändet, in der Stellung der Trauer oder des sportlichen Sieges gezeigt, zu Zwecken mißbraucht und zu anderen hochgehalten werden." [36] Die Bedeutung "Fahne" aus Hans Blumenbergs Beispiel müßte hier ersetzt werden durch die Bedeutung "Penis": Der Penis repräsentiert also nicht nur das männliche Geschlecht, sondern er kann sich im Gegensatz zu diesem als Sieger im Geschlechterdiskurs zu alter Macht erheben oder er kann sich im Kampf der Geschlechter als unzulängliche Waffe erweisen. Der Begriff, das Symbol "Penis" ermöglicht damit die freie Verfügung über das Geschlecht, mithin die Geschlechterordnung, welche eben - wie in den vorigen Kapiteln gezeigt wurde - lediglich das Konstrukt einer Aporie bleibt und daher weder gegenwärtig, noch greifbar, noch verfügbar ist.

Das was für Aporie einer Geschlechterordnung überhaupt Voraussetzung ist, das durch den Penis symbolisierte biologische Geschlecht wird durch dessen Aktivität aber nicht im Sinne dieser Geschlechterordnung verfügbar. Der vorliegende Witz macht dagegen in der Unzulänglichkeit des Symbols "Penis" das Versagen der Geschlechterordnung verfügbar und greifbar, begreiflich. Die Gefahr, die der Geschlechterordnung droht, wird nämlich auf eine Unzulänglichkeit des biologischen Geschlechts, des Penis zurückgeführt, nicht auf diejenige, keine gesellschaftliche Ungleichheit rechtfertigen zu können, sondern auf diejenige, zu klein zu sein: gerade in Situationen, wo eine potente Voraussetzung für die Geschlechterordnung und damit für die gesellschaftliche Ungleichheit selbst von Feministinnen gefragt ist, erfüllt diese Voraussetzung, das Geschlecht nicht seinen Zweck, sondern ist und bleibt zu klein. Selbst dann, wenn das Zurückführen des gesellschaftlichen Unterschieds zwischen Männern und Frauen kein in das Unbewußte verdrängter Sprachgebrauch und als Denkweise gar nicht mehr vorhanden ist, darf noch hämisch über das Scheitern des Versuchs gelacht werden, die Geschlechterordnung beim Sex herzustellen.

NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter   |   zurück   vor

Literatur

Adorno, Theodor / Tiedemann Rolf (Hrsg.); Gesammelte Schriften; Bd. 10, Kulturkritik und Gesellschaft I; Frankfurt a.M. 1977

Becker-Schmidt, Regina; Einheit - Zweiheit - Vielheit. Identitätslogische Implikationen; in: Zeitschrift für Frauenforschung; 14. Jg.; Heft 1,2; 1996

Birus, Hendrik; Freuds ´der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten` als Modell einer Textsortenanalyse; in: Freiburger Literaturpsychologische Gespräche; hrsg. Von Johannes Cremerius; besorgt von Carl Pietzcker

Blumenberg, Hans; Schiffbruch mit Zuschauer; Frankfurt a. M.; 1979

Carnap, Rudolf; Bedeutung und Notwendigkeit, Eine Studie zur Semantik und modalen Logik; übersetzt von Wilhelm Bader; Wien, New York; 1972; englische Erstveröffentlichung: Meaning and Necessity; Chicago; 1947

Culler, Jonathan; Dekonstruktion, Derrida und die poststrukturale Literaturtheorie; übersetzt von Manfred Momberger; Reinbeck bei Hamburg; 1988; englische Erstveröffentlichung: On Deconstruction, Theory and Criticism after Structuralism; New York; 1982

Derrida, Jacques; Die Schrift und die Differenz; übersetzt von Rodolphe Gasche; Frankfurt a.M.; 1972; französische Erstveröffentlichung: L`Écriture et la Différence; Paris; 1967

Derrida, Jacques; Grammatologie; übersetzt von Hans-Jörg Rheinberger; Frankfurt a.M.; 1974; französische Erstveröffentlichung: De la grammatologie; Paris; 1967

Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

Fuchs, Peter; Das Unbewußte in Psychoanalyse und Systemtheorie, Die Herrschaft der Verlautbarung und die Erreichbarkeit des Bewußtseins; Frankfurt a.M.; 1998

Genette, Gérad; Die restringierte Rhetorik; übersetzt von Wolfgang Eitel; in: Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996; französische Erstveröffentlichung: La rhétorique restreinte; in: Communications; Nr. 16; 1970

Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996

Jakobson, Roman / Halle, Morris; Grundlagen der Sprache; übersetzt von Georg Friedrich Meier; Berlin; 1960; englische Erstveröffentlichung: Fundamentals of Language; The Hague; 1956

Kahlert, Heike; Demokratisierung des Gesellschafts- und Geschlechtervertrags. Differenz und Gleichheit; in: Zeitschrift für Frauenforschung; 13. Jg.; Heft 4; 1995

Lacan, Jacques; Schriften II; übersetzt von Norbert Haas; Olten; 1975; französische Erstveröffentlichung: L´instance de la lettre dans l´inconscient ou la raison depuis Freud; in: La Psychanalyse; Nr. 3; 1957

Lang, Hermann; Die Sprache und das Unbewußte, Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse; Frankfurt a.M.; 1973

Man, Paul de; Epistemologie der Metapher; übersetzt von Werner Hamacher; in: Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996; englische Erstveröffentlichung: The Epistemology of Metaphor; in: Cirtical Inquiry; Nr. 5; 1978

Saussure, Ferdinand de; Cours de linguistique générale; 2. Aufl.; Paris; 1922

Weinrich, H.; Sprache in Texten; Klett-Cotta; 1976




Anmerkungen

[1] - Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 33
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[2] - Carnap, Rudolf; Bedeutung und Notwendigkeit, Eine Studie zur Semantik und modalen Logik; übersetzt von Wilhelm Bader; Wien, New York; 1972; S. 54
englische Erstveröffentlichung: - Meaning and Necessity; Chicago; 1947

[3] - Vgl. Jakobson, Roman / Halle, Morris; Grundlagen der Sprache; übersetzt von Georg Friedrich Meier; Berlin; 1960; S. 52 ff.

[4] - Vgl. Saussure, Ferdinand de; Cours de linguistique générale; 2. Aufl.; Paris; 1922, S. 170 f.

[5] - Jakobson, Roman / Halle, Morris; Grundlagen der Sprache; übersetzt von Georg Friedrich Meier; Berlin; 1960; S. 52 ff.
englische Erstveröffentlichung: - Fundamentals of Language; The Hague; 1956

[6] - Weinrich, H.; Sprache in Texten; Klett-Cotta; 1976; S. 301 f.

[7] - Birus, Hendrik; Freuds ´der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten` als Modell einer Textsortenanalyse; in: Freiburger Literaturpsychologische Gespräche; hrsg. Von Johannes Cremerius; besorgt von Carl Pietzcker; S. 267

[8] - Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 179
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[9] - Vgl. ebd. S. 58 f.

[10] - Vgl. ebd. S. 110

[11] - Vgl. ebd. S. 134

[12] - Vgl. ebd. S. 151

[13] - Derrida, Jacques; Grammatologie; übersetzt von Hans-Jörg Rheinberger; Frankfurt a.M.; 1974; S. 38
französische Erstveröffentlichung: De la grammatologie; Paris; 1967

[14] - Birus, Hendrik; Freuds ´der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten` als Modell einer Textsortenanalyse; in: Freiburger Literaturpsychologische Gespräche; S. 267

[15] - Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 162
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[16] - Vgl. ebd. S. 163 ff.

[17] - Lacan, Jacques; Schriften II; übersetzt von Norbert Haas; Olten; 1975; S. 20
französische Erstveröffentlichung: L´instance de la lettre dans l´inconscient ou la raison depuis Freud; in: La Psychanalyse; Nr. 3; 1957; S. 47 81

[18] - Lacan, Jacques; Schriften II; übersetzt von Norbert Haas; Olten; 1975; S. 26
französische Erstveröffentlichung: L´instance de la lettre dans l´inconscient ou la raison depuis Freud; in: La Psychanalyse; Nr. 3; 1957; S. 47 81

[19] - Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 161
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[20] - Vgl. ebd. S. 164 ff.

[21] - Vgl. ebd. S. 169

[22] - de Man, Paul; Epistemologie der Metapher; übersetzt von Werner Hamacher; in: Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996; S. 435
englische Erstveröffentlichung: The Epistemology of Metaphor; in: Cirtical Inquiry; Nr. 5; 1978; S. 12 30

[23] - Derrida, Jacques; Die Schrift und die Differenz; übersetzt von Rodolphe Gasche; Frankfurt a.M.; 1972; S. 323
französische Erstveröffentlichung: L`Écriture et la Différence; Paris; 1967

[24] - Lang, Hermann; Die Sprache und das Unbewußte, Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse; Frankfurt a.M.; 1973; S. 234

[25] - Genette, Gérad; Die restringierte Rhetorik; übersetzt von Wolfgang Eitel; in: Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996; S. 250
französische Erstveröffentlichung: La rhétorique restreinte; in: Communications; Nr. 16; 1970; S. 158 171

[26] - de Man, Paul; Epistemologie der Metapher; übersetzt von Werner Hamacher; in: Haverkamp (Hrsg.); Theorie der Metapher; 2. Aufl.; Darmstadt; 1996; S. 437
englische Erstveröffentlichung: The Epistemology of Metaphor; in: Cirtical Inquiry; Nr. 5; 1978; S. 12 30

[27] - Adorno, Theodor / Tiedemann Rolf (Hrsg.); Gesammelte Schriften; Bd. 10, Kulturkritik und Gesellschaft I; Frankfurt a.M. 1977; S. 27

[28] - Vgl. Kahlert, Heike; Demokratisierung des Gesellschafts- und Geschlechtervertrags. Differenz und Gleichheit; in: Zeitschrift für Frauenforschung; 13. Jg.; Heft 4; 1995; S. 7

[29] - Becker-Schmidt, Regina; Einheit - Zweiheit - Vielheit. Identitätslogische Implikationen; in: Zeitschrift für Frauenforschung; 14. Jg.; Heft 1,2; 1996; S. 9

[30] - Culler, Jonathan; Dekonstruktion, Derrida und die poststrukturale Literaturtheorie; übersetzt von Manfred Momberger; Reinbeck bei Hamburg; 1988; S. 150
englische Erstveröffentlichung: On Deconstruction, Theory and Criticism after Structuralism; New York; 1982

[31] - Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 169
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[32] - Vgl. Lang, Hermann; Die Sprache und das Unbewußte, Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse; Frankfurt a.M.; 1973; S. 234

[33] - Vgl. Freud, Sigmund; Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten; Frankfurt a. M.; 1992; S. 117 ff.
Erstveröffentlichung: Wien, Leipzig; 1905

[34] - Fuchs, Peter; Das Unbewußte in Psychoanalyse und Systemtheorie, Die Herrschaft der Verlautbarung und die Erreichbarkeit des Bewußtseins; Frankfurt a.M.; 1998; S. 182

[35] - Fuchs, Peter; Das Unbewußte in Psychoanalyse und Systemtheorie, Die Herrschaft der Verlautbarung und die Erreichbarkeit des Bewußtseins; Frankfurt a.M.; 1998; S. 231 f.

[36] - Blumenberg, Hans; Schiffbruch mit Zuschauer; Frankfurt a. M.; 1979; S. 86