matthias franke | 01.07.1996
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Lehrer ohne Pauken

In Kirchhain musizierten Pädagogen und namhafte Musiklehrer

Kirchhain. In der Aula der gymnasialen Oberstufe fand am Montag, den 1.7 zum dritten Male ein Lehrerkonzert der Gesamtschule Kirchhain statt. Wo sonst Schüler ihr Können zeigen, stellten diesmal die Lehrer und Musiklehrer ihre Professionalität unter Beweis. Mit "Musik-Highlights" der Klassik konnten die Solisten und Kammermusiker ihre etwa 50 Zuhörer - darunter kaum Gesamtschüler - durchweg begeistern.

So spielte Florian Balzer gleich zu Beginn den 1.Satz des Trompetenkonzerts in Es-Dur von Johann Nepomuk Hummel, einem der technisch anspruchvollsten Stücke für Trompete überhaupt. Trotz seiner nach stundenlangen Rundfunkaufnahmen geschwollener Oberlippe glänzte der Trompetenlehrer Bernd Hampel ebenfalls mit Perfektion. Durch Musik von Joseph Haydn und Robert Woodcock heimste sich das Kirchhainer Kammerensemble uneingeschränktes Lob ein, während Ursula und Heike Weber auf der Blockflöte überzeugten. Daß man "Air" aus der Suite D-Dur von Johann Sebastian Bach auch auf nur einer Seite der Violine spielen kann, zeigte hierauf Gregori Kalaidjiev, ein ehemaliges Mitglied des berühmten Ensembles "Moskauer Virtuosen". Er wurde auf dem Klavier von dem musikalisch vielseitigen Lehrer Hermann Wilhelmi begleitet, der darauf solo Frederic Chopins Fantasie-Impromptu cis-moll interpretierte. Über den Wegfall der Programmpunkte "Musical" und "Nightclub-Jazz" tröstete er spontan mit dem gefühlvoll gesungenen "Tonight" hinweg, so daß das Publikum lang applaudierte und gerne zu Spenden für die Unkosten bereit war. Wilhelmi, der auch organisatorische Fäden in der Hand hielt, war mit der Größe seines Publikums zufrieden. "Für Kirchhainer Verhältnisse ist eine Zahl von 50 Zuhörern bei solchen Veranstaltungen schon recht viel". Er meinte, man werde den Anteil moderner Musik beim nächsten Lehrerkonzert im Herbst dieses Jahres weiter erhöhen. Möglicherweise zieht das Konzert auf diese Weise eine dem musikalischen Niveau angemessenere Anzahl von Menschen an.