matthias franke | 24.06.1998
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Börse zweiter Klasse

Bauaktien leiden an der Wiener Börse.

"Die Zukunft baut auf Erfolg, weniger auf Wachstum." Mit diesem selbstbewußten Slogan schmückte die Universale-Bau AG ihren Geschäftsbericht 1996. Von Wachstum kann tatsächlich keine Rede sein, von Erfolg zumindest bedingt. Während bis 1996 1250 Menschen den Arbeitsplatz verloren, bleibt Aktionären der schmale Erfolg einer gestiegenen Dividende von sechs Prozent. Universale, mehrheitlich im Besitz der Creditanstalt, faßte Tochterunternehmen zusammen und zog sich aus Aktivitäten in Berlin zurück. So stabilisierte sich der konsolidierte Umsatz auf 7,45 Mrd. Schilling und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde 1996 bei 29 Mio. Schilling gehalten. Dr. Kurt Babirath, zuständig für Investors Relation bei Universale, faßt es zusammen: "Die Talsohle ist erreicht. Wir haben uns aus den Verlustbeteiligungen zurückgezogen und gesundgeschrumpft." Die Krise ist überstanden! Inzwischen bahnt sich unter der Regie der Bank Austria, der Muttergesellschaft des Universalebesitzers Creditanstalt, eine "große Baulösung" an. "Wir sind zu groß, um als Nischenplayer zu bestehen, aber zu klein, um auf dem gesamteuropäischen Markt erfolgreich zu sein. Wir werden also mit einem operativen Partner zusammenarbeiten." meint Dr. Kurt Babirath von der Universale. Als operativer Partner würde sich am ehesten Porr mit der Teerag Asdag und auch der Wibeba anbieten; alle Gesellschaften sind in Besitz der Bank Austria.

Und wie reagiert die Börse auf die Entwicklung um Universale? Überhaupt nicht! Seit dem Kursrutsch im Frühjahr 1995 dümpelt der Kurs der Universaleaktie um ein Niveau von 470. Ein realistisches Kursziel von 550 wurde 1997 nicht erreicht. Thomas Breier Bauaktienexperte der Ersten Bank meint hierzu: "Seit dem Crash bei Maculan reden alle von einer Krise; als Grund für die schlechten Kurse der Bauaktien kann man das aber schon lange nicht mehr gelten lassen. Wir haben zwar bei den Kleinen der Baubranche in den letzten Jahren viele Insolvenzen gesehen, doch den großen Gesellschaften geht es heuer gut! Der Wiener Markt für Bauaktien ist einfach zu klein, als daß sich da etwas bewegt!"

Die Ursache für zu niedrige Kurse bei zufriedenstellenden Geschäftsergebnissen scheint weniger das noch mangelnde Vertrauen der Anleger, als die Wiener Börse selbst zu sein. Anfang 1998 durchbrach zwar die chronisch unterbewertete Wiener Börse den Abwärtstrend zaghaft nach oben. Marktstratege Mag. Wolfgang Pinner der CA Investmentbank meint: "Die Weichen für eine internationale Outperformance sind gestellt." Doch bei allem anlegerorientierten Optimismus bleibt der Wiener Börse Index WBI einstweilen schwach.

"Die Wiener Börse ist uninteressant für internationale Profis. Sie hat zu wenig Volumen. Ständig rufen mich ausländische Anleger an und beschweren sich über die Gepflogenheiten des Schottenrings!" So harte Worte findet Bau Holding-Vorstand Mag. Hannes Truntschnig (Investor Relations). Bei der starken Unterbewertung von Aktien der Bau Holding ist die Verärgerung verständlich. Ein Kurs von 750 entspricht dem Buchwert des Eigenkapitals je Aktie. Ertragskraft und Produktivität des Konzerns wurden gesteigert und der Umsatz stieg auf 12,347 Mrd. Schilling. Mag. Monika Peraus, Analystin des Erste-Research empfiehlt den Kauf: "...Aktien der Bau Holding weisen in Relation zum österreichischen Gesamtmarkt eine günstige Bewertung auf." Nach einem Tiefstand von 660 beginnt nun die Aktie leicht aufzuholen.

Das branchenspezifische Mißverhältnis zwischen Börsenkapitalisierung und einer zufriedenstellenden wirtschaftlichen Lage der Aktiengesellschaften zeigt sich auch bei A. Porr. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr ergab sich für 1996 ein Bilanzgewinn von 20,1 Mio. Schilling, nachdem es 1995 5,4 Mio. waren. Der konsolidierte Gesamtumsatz stieg auf 15,039 Mrd. Schilling. Jedoch begann sich der Kurs der Stammaktie erst Ende 1997 wieder etwas zu regen.

Die niedrigen Kurse der Bautitel erklären Marktstrategen und Analysten der Banken zur Folge der schlechten Baukonjunktur. Hauptgrund seien die Investitionskürzungen der öffentlichen Hand. So meint CA IB - Analyst Wolfgang Pinner: "Gesellschaften, die zu großes Gewicht auf den heimischen Markt und Tiefbau legten, haben etwas schlechtere Karten." Unterdessen publizieren die Baugesellschaften Erfolgszahlen. Die Konjunktur ist miserabel, doch den Konzernen geht es gut? Ein Widerspruch in sich! Amtliche Statistiken sind noch nicht verfügbar. Hinter vorgehaltener Hand äußern aber Konzernmanager die Vermutung, beim Bauvolumen sei 1997 eine geringe Steigerung unter ein Prozent zu verzeichnen. Aufgrund der allgemeinen Desinformation sei die Konjunktur allzu schlecht geredet worden. Eine Konjunkturbelebung werde zwar ständig nur für die Zukunft prognostiziert, habe aber schon eingesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob demnächst Analysten und Presse das Ende der Baukrise verkünden, wenn die Baukonzerne ihre Geschäftsberichte für das Jahr 1997 vorlegen.

Neben der Schwäche von WBI wie ATX und der schlechten Meinung über die Baukonjunktur mögen die geringen Umsätze des Schottenrings für die Unterbewertung der Bautitel verantwortlich sein. 1997 handelte man im Tagesschnitt nur 5205 Stammaktien der Bau Holding. Laut Erste Kapitalanlageges.mbH. liegt der Streubesitz bei 13 Prozent des Stammkapitals von 450 Mio. Schilling. "Der geringe gehandelte Streubesitz ist unser Hauptproblem!" meint Vorstand Hannes Truntschnig. Eigentlich kursrelevante Maßnahmen haben bei kaum vorhandenen Börsenhandel nur eingeschränkte Wirkungen. Auch die Übernahme der deutschen Moll-Gruppe unter Überlassung frisch emittierter Aktien beflügelte die Phantasie der Börsianer genauso wenig wie der Kauf der Strabag AG Köln und der Era-Bau. "Dabei sind die Kriegskassen der Bauholding so gut gefüllt, daß niemand fürchten muß, sie würde die Übernahmen selbst nicht verkraften." meint der Experte für Bauaktien Thomas Breier von der Ersten Bank. Die Angst vor einem Risiko durch die nicht sonderlich rentable Strabag Deutschland sei Angesichts der zunächst beibehaltenen Trennung beider Teilkonzerne unbegründet. An der Börse erwarte man von der Umstrukturierung des Baumarktes eine steigende Ertragskraft durch Senkung von Fixkosten und Synergieeffekte. Die Umstrukturierung des Baumarktes ruft zwar kaum Reaktionen an der Börse hervor, doch zumindest langfristig wird sie Auswirkungen haben. Nach Auskunft von Hans Peter Haselsteiner, dem Besitzer der Bauholding, wird durch die Übernahme von 100 Prozent die Strabag Österreich von der Börse verschwinden. Ziel könnte zum Beispiel eine alleinige Börsennotierung der Bibag sein, die zur Hälfte im Besitz der Familien Haselsteiner, Lerchbaumer, Soravia ist und gemeinsam mit der Raiffeisen-Gruppe die Bauholding und die Strabag hält. "Wer das für die mittelfristige Zukunft erwartet, hört jedoch das Gras wachsen!" meint Hannes Truntschnig Vorstand der Bauholding. Noch sind Strabag Deutschland und Bauholding nicht synchronisierbar.

Die Aktie der Strabag Österreich AG hat 1998 nach dem bisherigen Jahrestief von 575 einen nur halbwegs befriedigenden Höchstkurs von 790 erreicht. Zwei Jahre lang konnte nach dem Sturz im zweiten Halbjahr 1995 der Wert von 800 kaum überschritten werden. Dabei wuchs schon 1996 das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 152,7 Mio. Schilling. 1999 wird die Strabag Österreich AG die zweiten 50 Prozent der Stuag Bau AG von der Bank Austria übernehmen. In der Bauholding Firmengruppe wird es weitere Konsolidierungen geben, die auch verhindern werden, daß die Gruppe in Wien mit Strabag und Bauholding mehrfach börsennotiert bleibt. Die Baubranche erlebt eine Konzentrationsphase. Die Konzerne, die hieraus hervorgehen, erzielen Erfolge. Doch die Wiener Börse erbringt keine Kapitalisierung, die internationalen Standards gerecht wird.

Erst seit kurzem macht man in Wien erste Schritte in Richtung einer Vernetzung europäischer Börsen zum Wertpapiermarkt der Währungsunion. Eine Prognose für diesen Markt wagt niemand. Doch wird es dem internationalen Aktienmarkt schwerlich gelingen, die österreichischen Bautitel so schlecht zu bewerten, wie es der heimische noch tut.

Börse zweiter Klasse

Die Wiener Börse macht Abwärtstrends mit, nur im Boom kann sie den internationalen Leitbörsen nicht folgen.

"Die Zukunft baut auf Erfolg, weniger auf Wachstum." Mit diesem selbstbewußten Slogan schmückte die Universale-Bau AG ihren Geschäftsbericht 1996. Von Wachstum kann tatsächlich keine Rede sein, von Erfolg zumindest bedingt. Während bis 1996 1250 Menschen den Arbeitsplatz verloren, bleibt Aktionären der schmale Erfolg einer gestiegenen Dividende von sechs Prozent. Universale faßte Tochterunternehmen zusammen und zog sich aus Aktivitäten in Berlin zurück. So stabilisierte sich der konsolidierte Umsatz auf 7,45 Mrd. Schilling und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde 1996 bei 29 Mio. Schilling gehalten. Die Krise ist überstanden! Universale, mehrheitlich im Besitz der Creditanstalt, hat sich gesund geschrumpft.

Und wie reagiert die Börse? Überhaupt nicht! Seit dem Kursrutsch im Frühjahr 1995 dümpelt der Kurs der Universaleaktie um ein Niveau von 470. Ein realistisches Kursziel von 550 wurde 1997 nicht erreicht.

Die Ursache scheint weniger das noch mangelnde Vertrauen der Anleger, als die Wiener Börse selbst zu sein. Anfang 1998 durchbrach zwar die zaghafte Wiener Börse den Abwärtstrend noch oben. Marktstratege Mag. Wolfgang Pinner der CA Investmentbank meint: "Die Weichen für eine internationale Outperformance sind gestellt." Doch bei allem anlegerorientierten Optimismus bleibt der Wiener Börse Index WBI einstweilen schwach.

"Die Wiener Börse ist uninteressant für internationale Profis. Sie hat zu wenig Volumen. Ständig rufen mich ausländische Anleger an und beschweren sich über die Gepflogenheiten des Schottenrings!" So harte Worte findet Bau Holding-Vorstand Mag. Hannes Truntschnig (Investor Relations). Bei der starken Unterbewertung von Aktien der Bau Holding ist die Verärgerung verständlich. Ein Kurs von 750 entspricht dem Buchwert des Eigenkapitals je Aktien. Ertragskraft und Produktivität des Konzerns wurden gesteigert und der Umsatz stieg auf 12,347 Mrd. Schilling. Mag. Monika Peraus, Analystin des Erste-Research empfiehlt den Kauf: "...Aktien der Bau Holding weisen in Relation zum österreichischen Gesamtmarkt eine günstige Bewertung auf." Nach einem Tiefstand von 660 beginnt nun die Aktie leicht aufzuholen.

Das branchenspezifische Mißverhältnis zwischen Börsenkapitalisierung und einer zufriedenstellenden wirtschaftlichen Lage der Aktiengesellschaften zeigt sich auch bei A. Porr. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr ergab sich für 1996 ein Bilanzgewinn von 20,1 Mio. Schilling, nachdem es 1995 5,4 Mio. waren. Der konsolidierte Gesamtumsatz stieg auf 15,039 Mrd. Schilling. Jedoch begann sich der Kurs der Stammaktie erst Ende 1997 wieder etwas zu regen.

Die niedrigen Kurse der Bautitel erklären Marktstrategen und Analysten der Banken zur Folge der schlechten Baukonjunktur. Hauptgrund seien die Investitionskürzungen der öffentlichen Hand. So meint CA IB - Analyst Wolfgang Pinner: "Gesellschaften, die zu großes Gewicht auf den heimischen Markt und Tiefbau legten, haben etwas schlechtere Karten." Unterdessen publizieren die Baugesellschaften obige Erfolgszahlen. Die Konjunktur ist miserabel, doch den Konzernen geht es gut? Ein Widerspruch in sich! Amtliche Statistiken sind noch nicht verfügbar. Hinter vorgehaltener Hand äußern aber Konzernmanager die Vermutung, beim Bauvolumen sei 1997 eine geringe Steigerung unter ein Prozent zu verzeichnen. Aufgrund der allgemeinen Desinformation wurde die Konjunktur allzu schlecht geredet. Es bleibt abzuwarten, ob demnächst Analysten und Presse das Ende der Baukrise verkünden.

Neben der Schwäche von WBI wie ATX und der schlechten Meinung über die Baukonjunktur mögen die geringen Umsätze des Schottenrings für die Unterbewertung der Bautitel verantwortlich sein. 1997 handelte man im Tagesschnitt nur 5205 Stammaktien der Bau Holding. Laut Erste Kapitalanlageges.mbH. liegt der Streubesitz bei 13 Prozent des Stammkapitals von 450 Mio. Schilling. "Der geringe gehandelte Streubesitz ist unser Hauptproblem!" meint Vorstand Hannes Truntschnig. Eigentlich kursrelevante Maßnahmen haben bei kaum vorhandenen Börsenhandel nur eingeschränkte Wirkungen. Auch die Übernahme der deutschen Moll-Gruppe unter Überlassung frisch emittierter Aktien beflügelte die Phantasie der Börsianer genauso wenig wie der Kauf der Strabag AG Köln.

Die Aktie der Strabag Österreich AG hat 1998 nach dem bisherigen Jahrestief von 575 einen nur halbwegs befriedigenden Höchstkurs von 790 erreicht. Zwei Jahre lang konnte nach dem Sturz im zweiten Halbjahr 1995 der Wert von 800 kaum überschritten werden. Dabei wuchs schon 1996 das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 152,7 Mio. Schilling. 1999 wird die Strabag Österreich AG die zweiten 50 Prozent der Stuag Bau AG von der Bank Austria übernehmen. Die Baubranche erlebt eine Konzentrationsphase. Die Konzerne, die hieraus hervorgehen, erzielen Erfolge. Doch die Wiener Börse erbringt keine Kapitalisierung, die internationalen Standards gerecht wird.

Erst seit kurzem macht man in Wien erste Schritte in Richtung einer Vernetzung europäischer Börsen zum Wertpapiermarkt der Währungsunion. Eine Prognose für diesen Markt wagt niemand. Doch wird es dem internationalen Aktienmarkt schwerlich gelingen, die österreichischen Bautitel so schlecht zu bewerten, wie es der heimische noch tut.

"Die Zukunft baut auf Erfolg, weniger auf Wachstum." Mit solch einem selbstbewußten Slogan verzierte die Universale-Bau AG ihren aktuellsten Geschäftsbericht. Von Wachstum kann tatsächlich keine Rede sein, von Erfolg nur bedingt. Während nämlich zwischen 1994 und 1996 1250 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, bleibt den Aktionären zumindest der schmale monitäre Erfolg einer sechsprozentigen Rendite. Universale verordnete seiner Verwaltungsstruktur eine Schlankheitskur, faßte Tochterunternehmen zusammen und zog sich aus Aktivitäten in Berlin zurück. So hat zum Beispiel die ISB Universale Bau GmbH die opertavie Bautätigkeit Ende 1997 fast eingestellt.

In der Folge stabilisierte sich der konsolidierte Umsatz auf knapp 7,45 Mrd. Schilling und auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wurde 1996 auf dem Niveau von circa 29 Mio. Schilling gehalten. Die Krise ist überstanden! Universale, mehrheitlich im Aktienbesitz der Creditanstalt, hat sich gesund geschrumpft. Auch das Ergebnis des gesamten Konzerns mit 33,2 Mio. Schilling per 31.12.1996 war zufriedenstellend.

Und wie reagiert die Börse auf all dies? Überhaupt nicht! Nach dem Kursrutsch im Frühjahr 1995 dümpelt der Kurs der Universaleaktie um ein Niveau von 470. Ein realistisches Kursziel für 1997 von 550 wurde nicht erreicht.