matthias franke
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Generation Golf

Beim Oberhessischen Golfclub Marburg e.V. üben sich Studenten in der Kulturtechnik Golf. Zum Sport-Dies der Universität fand ihr Turnier statt.

Die Sonne scheint freundlich vom blauen Himmel, Vögelein zwitschern, es weht ein angenehm laues Lüftchen. Für das Studententurnier am Sport-Dies ist der Golfplatz Cölbe-Bernsdorf in "Top-Zustand". Über perfekt geschorenen Rasen bewegen sich ebenso gepflegte Menschen mit kleidsamem Käppi, im Polo-Shirt und Marken-Pullunder. Christian Daniels fühlt sich wohl: "Der Club ist liberal, keine strenge Etikette! Hier kann man sich auch mal etwas lauter freuen!" Jubeln und Fluchen gehört nicht zum guten Ton unter Golfern.

Nacheinander starten zehn Flights, Gruppen von je drei Spielern, um den Ball mit möglichst wenig Schlägen zweimal über das Golfgelände mit den neun Löchern zu spielen. Unter den 30 Turnierteilnehmern sind etwa zehn Frauen. Der Golfclub hat circa 50 studentische Mitglieder. Karl Christian Wege, Björn Hahn und Christian Daniels betreuen die regelmäßigen Schnupperkurse für Studenten, mit denen der Oberhessische Golfclub Marburg e.V. dem elitären Image des Golfens entgegentritt. "Am Anfang dachte ich auch, zu den Schnupperkursen werden nur Mediziner und Bwler kommen. Aber hier ist ein total gemischtes Völkchen." meint Karl Christian Wege, Student der Zahnmedizin. Seine Spielpartner im ersten Flight nicken eifrig: Jan Rustemeier, Medizinstudent mit Handicap fünf, und Christian Daniels, Jurastudent im sechsten Semester mit Handicap sechs.

Für Karl Christian Wege ist die sportliche Leistung keine körperliche: "Je höher das Spielniveau, desto wichtiger wird das Mentale." Golf entspannt, Golf bringt Menschen zusammen. Auch Manager. Sie schlendern gemütlich viereinhalb oder fünf Stunden durch Wiesen und Haine, sie sind manierlich angezogen, die Fairways sind weich wie Teppichböden, da schmerzt kein Knie. Viel Zeit, um zu reden. Ab und zu gelingt ein hübscher Schlag, man lobt sich das tun Golfer gern. Und wenn es am Grün knapp hergeht, schiebt man den Putt am Loch vorbei, damit der zukünftige Chef doch gewinnt. So etwas bereitet das Klima für gute Geschäftsbeziehungen:

Im Clubmagazin "Eagle" werben Anlageberater mit Sonderabschreibungen trotz Steuerreform. Die Teamkleidung des Marburger Golfclubs spendiert Ferreros Milchschnitte, die Rosenpark GmbH sponsert Seniorenclubmeisterschaften und die Hessenliga-Mannschaft fliegt ins Trainingslager nach Mallorca. Man spielt um den Dr. Alfred-Balzer-Preis (Baustoffgroßhandel), freut sich auf die traditionellen "Marburger Premium Pils Open" und notiert die Spielergebnisse mit Kugelschreibern von Felden, Kaiser & Roth.

Für die studentischen Golfer steht noch der sportliche und nicht der geschäftliche Erfolg im Vordergrund. Die Mannschaft des Golfclubs ist in der Landesliga ungeschlagen. "Die Studenten liefern sportliche Leistung fürs Team." meint Karl Christian Wege. Deswegen lockt der Golfclub die Studenten mit besonders günstigen Angeboten: "Platzgebühr für Studenten sind jährlich 520,- Mark, das ist ein Witz." Der normale Jahresbeitrag für die knapp 500 Mitglieder liegt bei 1500,- Mark.

Nach dem Turnier ist man taufrisch, sitzt noch beieinander. Die Gastronomie im großen Clubhaus ist beachtlich. Ein Gönner spendiert Freibier. Die Spieler berichten von missglückten Schlägen - man tröstet einander, genießt die Nachmittagssonne. Turniersieger ist Jan Rustemeier mit 30 Brutto-Punkten, bei den Damen Alexandra Gensch mit sieben Brutto-Punkten. Verlierer gibt es hier nicht.