matthias franke
NAVIGATION [INDEX]   |   im Verlauf zurück   im Verlauf weiter

Das Kopftuch des Aziz

In der ZEIT vom 30. Juli fordert Namo Aziz von Deutschlands Ausländern, sich der "deutschen Gesellschaft" anzunähern und deren Regeln zu akzeptieren. Er verrät nicht, was nun das spezifisch Deutsche an der hiesigen Gesellschaft ist. Die kulturelle Identität der Deutschen muß sich wieder über diejenigen definieren, die "anders" sind: Deutsche sind keine Muslime. Doch zumindest eine Regel des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland wird auch von muslimischen Fundamentalisten beherrscht: man toleriert in Deutschland keine Intoleranz außer der eigenen. Das Kopftuch einer deutschen Lehrerin afghanischer Herkunft wird nicht toleriert, da es ein Symbol der dortigen religiösen Intoleranz ist! Solche Intoleranz gegenüber dem Kopftuch werden wiederum muslimische Fundamentalisten kaum tolerieren können.

Wer Kopftücher im Unterricht verbietet, hindert keinen muslimischen Fundamentalisten daran, sein Gedankengut zu verbreiten. Niemand wird sein Kopftuch ablegen, weil es an Lehrerinnen nicht toleriert wird. Doch viele werden um so starrer an genau den Anschauungen festhalten, die von den Deutschen mit solcher Härte abgelehnt werden.

Ausländer sollen sich die Regeln der deutschen Gesellschaft zu Eigen machen. Dabei haben Regeln und Gesetze, die für Deutsche gelten, wenig Relevanz für Ausländer. Sie werden nicht einmal wie Deutsche bestraft, wenn sie schwere Straftaten begehen. Die Gesellschaft entledigt sich krimineller Ausländer durch Abschiebung.

Aziz meint, Ausländer hätten die Pflicht, "sich zu integrieren". Voraussetzung für Integration sei das Beherrschen der deutschen Sprache. Tatsächlich ist es auch ein grammatisches Problem, "sich zu integrieren". Die Gesellschaft kann Ausländer integrieren, aber niemand kann sich selbst in die Gesellschaft integrieren, ohne daß diese als handelndes Subjekt ihren Teil dazu beisteuert.

Für Aziz ist es unvereinbar, daß mancher Muslime die deutsche Staatsangehörigkeit wie einen Trumpf ausspielt, sich aber dieser Gesellschaft nicht zurechnet. Dabei spielt er selbst seine irakische Abstammung als Trumpf aus, um in der ZEIT Vorurteile über Muslime verbreiten zu können, die jeden Deutschstämmigen als ausländerfeindlich kennzeichnen würden. Wer auf muslimische Sozialhilfeempfänger hinweist, die ihre eingesperrten Frauen verprügeln und deutsche Schweinefleischesser nur als ihre Organspender akzeptieren, erschwert muslimischen Ausländern eine Annäherung an die deutschen Gesellschaft.